Zweiter Anwendungsfall von Nabelschnurblut in Bochum

04.08.2009

Jeder neue klinische Anwendungsfall, bei dem Stammzellen aus Nabelschnurblut zu Therapiezwecken eingesetzt werden, ist ein wichtiger Schritt, um die noch junge regenerative Medizin zu etablieren. In der Bochumer Ruhr-Universität ist diese Behandlungsmethode nun zum zweiten Mal angewendet worden. Am 16. Juli 2009 wurde von den Bochumer Ärzten Prof. Dr. med. Arne Jensen von der Campus Klinik Gynäkologie sowie Dr. med. Susanne König (Assistenzärztin) und dem Direktor der Universitätskinderklinik am St. Josef-Hospital Prof. Dr. med. Eckhard Hamelmann der Eingriff vorgenommen. Patient war ein drei Monate altes Kind, das an einem akuten Hirnschaden leidet. Die Schädigung im Gehirn wurde durch eine Hirnhautentzündung hervorgerufen. Die Ärzte hoffen nun, dass durch Therapie eine Verbesserung der Hirnfunktion bewirkt werden kann.

Eine Garantie gibt es jedoch nicht. Noch ist nicht abschließend erforscht, wie die Stammzellen im Körper des Patienten reagieren. Vielversprechend sind jedoch sowohl die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und den Tierversuchen sowie aus den ersten klinischen Anwendungsfällen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse lassen die Wissenschaft zu dem Schluss kommen, dass die Stammzellen aus Nabelschnurblut einen positiven Effekt auf die geschädigten Regionen im Gehirn ausüben. Zum einen gehen die Forscher davon aus, dass die Stammzellen die noch unbeschädigten Hirnnervenzellen zur Teilung anregen. Zum anderen schütten sie im Gehirn Substanzen aus, die eine Vernarbung vorbeugen und Entzündungsprozesse verhindert. Allerdings ist bisher noch nicht erforscht, bis zu welchen Zeitpunkt nach eine Hirnschädigung diese Prozesse noch wirksam sind. “Zu diesem Thema gibt es weltweit noch keine Publikationen, abgesehen von einigen Zeitungsberichten aus den USA und China, die allerdings nicht auf wissenschaftlichen Studien basieren”, erklärt Prof. Jensen. Und so deklarieren die Mediziner, dass es sich bei den Bochumer Behandlungen lediglich um Heilversuche handele und Studien noch ausstehen würden.

Nach den guten Erfahrung aus dem ersten Bochumer Anwendungsfall, bei dem ein dreijähriger Patient unter anderem von einer durch einen Herzstillstand hervorgerufenen Erblindung geheilt werden konnte, sind die behandelnden Ärzte des drei Monate alten Säuglings optimistisch, dass auch hier bald eine Verbesserung der Hirnfunktion zu verzeichnen sein wird.

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