Wissenschaftler der MHH bilden iPS-Zellen aus Nabelschnurblut
Bisher war einer der Aspekte, der Nabelschnurblut als Quelle für Stammzellen und damit für den Einsatz zu therapeutischen Zwecken erschwert hat, die zu geringe Blutmenge, die für die Behandlung einiger Krankheiten benötigt werden würde. Dies könnte in den nächsten Jahren der Vergangenheit angehören. Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist es gelungen, aus den Zellen des Nabelschnurblutes so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) zu bilden. Durch dieses Verfahren soll es nun möglich sein, Stammzellen herzustellen, die praktisch fast unbegrenzt vermehrbar sind. Professor Dr. Martin Ulrich, der Leiter des Forscherteams erklärt zu diesem Thema: “Bisher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch Nutzen aus seinem eigenen aufbewahrten Nabelschnurblut zieht, extrem gering. Eingelagertes Nabelschnurblut wurde bisher vor allem zur Therapie von Leukämien verwendet.” Für die Medizin könnten die neu gewonnenen Erkenntnisse nun bedeuten, dass die Einsatzgebiete der Stammzelltherapie mit den jungen Zellen des Nabelschnurblutes künftig größer werden. So hofft Professor Ulrich, dass durch die iPS-Zellen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren weitere Anwendungsmöglichkeiten hinzukommen und dann noch mehr Krankheiten mit Nabelschnurblut behandelbar sind. Daneben, so der Biologe, könnten auch gespendete fremde Zellen verwendet werden, wenn die passenden Zellen ausgewählt werden würden.
Bei den neu gebildeten iPS- Zellen gibt es hinsichtlich ihrer Funktionsweise Parallelen zu den embryonalen Zellen (ES-Zellen). Sowohl die iPS- als auch die ES-Zellen sind in der Lage, sich in jeden Zelltyp auszudifferenzieren und sich zu vermehren. Allerdings ist der Einsatz von ES-Zellen ethisch nicht unbedenklich. Zudem werden die körpereigenen iPS-Zellen bei der Transplantation nicht vom Körper des Patienten abgestoßen.
IPS-Zellen wurden bereits 2007 von japanischen Forschern hergestellt. Jedoch verwendeten die Wissenschaftler damals Zellen von erwachsenen Menschen. Die auf diese Weise hergestellten Zellen bergen jedoch ein gewisses Risiko, da sich infolge von Umwelteinflüssen Genmutationen in den Zellen entwickeln können, die dann an die neugebildeten Zellen weitergegeben werden können. Damit besteht die bisher kaum beachtete Gefahr der Tumorbildung nach einer Transplantation dieser Zellen. Die Zellen aus dem Nabelschnurblut, wie sie die Forscher des MHH verwendet haben, sind hingegen aufgrund ihres jungen Alters unbelastet und für die Herstellung neuer Stammzellen bestens geeignet.