Vermehrung von Nabelschnurblut-Stammzellen rückt in greifbare Nähe
Bislang galt Nabelschnurblut wegen seiner limitierten Anzahl an darin enthaltenen Stammzellen für einen Einsatz bei hämatologischen Erkrankungen als weniger geeignet. Ein neues Verfahren zur Vermehrung der hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen im Nabelschnurblut, das derzeit in einer Phase III Studie geprüft wird, könnte dem bald Abhilfe schaffen.
Mit dem von israelischen Forschern entwickelten Verfahren namens StemEx® konnten Zellen aus Nabelschnurblut auf das bis zu 200-fache vermehrt und erfolgreich bei an Leukämien oder Lymphomen erkrankten Patienten angewendet werden. Dazu wurde ein Teil der hämatopoetischen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut-Präparat isoliert und im Labor 21 Tage lang vermehrt. Dieses Zellpräparat wurde den Krebs-Patienten, die zuvor eine Hochdosis-Chemotherapie erhalten hatten, zusammen mit den unbehandelten Zellen verabreicht. In früheren Studien mit zehn Teilnehmern konnte bei neun Patienten so eine Neubildung der weißen Blutkörperchen und Blutblättchen nachgewiesen werden – was beweist, dass die Therapie wirksam ist. Akute Abstoßungsreaktionen konnten dabei nicht beobachtet werden.
StemEx® könnte bei erfolgreichem Verlauf der aktuellen Studie bereits 2011 auf dem Markt kommen und wäre damit das erste marktreife Verfahren zur Vermehrung von Nabelschnurblut-Stammzellen. In 26 Transplantationszentren weltweit wird es derzeit auf Sicherheit und Wirksamkeit hin überprüft. 100 Patienten zwischen zwölf und 55 Jahren sind in die aktuelle Studie eingeschlossen.
Vorteilhaft wirkt sich die Vermehrung vor allem aus, weil:
- die Behandlung schneller beginnen kann
- sehr gute Chancen auf eine erfolgreiche Transplantation bei Erwachsenen und Jugendlichen bestehen
- die kritischen Übergangszeit, in welcher das Immunsystem nach einer Chemotherapie wieder aufgebaut wird, verkürzt wird
- der Klinikaufenthalt verkürzt wird
In Europa erkranken jedes Jahr allein etwa 8.000 Menschen an Leukämien. Diese Patienten erhalten nach einer Hochdosis-Chemotherapie Stammzellen eines fremden Spenders. Stammzellen aus dem Nabelschnurblut gelten als besonders vital, besser verträglich und schneller verfügbar als Zellen aus anderen Quellen, sind jedoch nur in begrenzter Menge im Blut aus der Nabelschnur enthalten. Die Vermehrung kann künftig Transplantation auch bei Jugendlichen und Erwachsenen mit höherem Körpergewicht möglich machen.