Stammzellen einfrieren
Eine Gesundheitsvorsorge für eigene Kind oder eine Überlebenschance für einen erkrankten Patienten kann das Einfrieren von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut darstellen. Forscher nehmen an, dass künftig bis zu 100 Krankheiten damit heilbar sein werden.
Wie Nabelschnurblut-Stammzellen eingefroren werden
Unmittelbar nach der Geburt erfolgt die Abnabelung des Neugeborenen. Aus der Nabelschnur und dem Mutterkuchen werden etwa 100 Milliliter Blut durch Punktion der Nabelschnurvene entnommen und in einem Blutbeutel aufgefangen. Diese Menge enthält mehrere Millionen Stammzellen und verschiedene Vorläuferzellen. Dieser Vorgang ist für die Mutter und das Baby risikofrei.
Ein Kurier der Nabelschnurblutbank holt das Präparat im Kreißsaal ab und bringt es in ein Speziallabor, wo es für die dauerhafte Einlagerung vorbereitet wird. Das Nabelschnurblut wird hier u.a. auf Infektionen und Keime gestestet. Bei Spendepräparaten werden die Gewebemerkmale bestimmt, die anschließend in ein internationales Spenderegister, z.B. ZKRD, eingestellt werden. Voraussetzung dafür ist bei den meisten öffentlichen Banken eine – oft nicht erreichte – Mindestmenge um 200 Milliliter. Private Banken lagern das Nabelschnurblut unabhängig von der entnommenen Menge ein.
Manche Nabelschnurblutbanken separieren die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut vor dem Einfrieren und lagern diese volumenreduzierten Präparaten ein, bei anderen Banken wird das gesamte Blut als Vollblut eingelagert.
Vor dem Einfrieren wird das Nabelschnurblut mit einem Frostschutzmittel, meist DMSO, versetzt. Es verhindert die Bildung von Eiskristallen in den Zellen und damit deren Zerstörung. Damit bleiben die Stammzellen intakt und sind nach einem späteren Auftauen weiterhin lebensfähig. Vor einer Anwendung des Blutes wird das DMSO herausgewaschen, da es leicht toxisch wirken kann.
Anschließend wird das Nabelschnurblut auf ca. -130 Grad Celsius heruntergekühlt und anschließend in einen speziell konstruierten Kühltank überführt. Durch die Verwendung von flüssigen Stickstoff herrschen im Inneren dieser Tanks Temperaturen um -196 Grad Celsius.
Es gibt noch keine empirischen Untersuchungen darüber, dass eingefrorene Stammzellen über Jahrzehnte hinweg überlebensfähig sind. In einer aktuellen amerikanischen Studie wurde nachgewiesen, dass Nabelschnurblut-Stammzellen mindestens 23,5 Jahre erhalten werden können, ohne dass sie dabei ihre Vitalität verlieren. Experten des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik gehen davon aus, dass Stammzellen mehrere Jahrhunderte im gefrorenen Zustand überdauern können ohne Schaden dabei zu nehmen. Da die Lebensprozesse im Zellinnern bei Temperaturen unter minus 130 Grad Celsius ihre Aktivitäten komplett einstellen, werde die Lagerdauer nur durch kosmische Strahlung begrenzt, die die gefrorenen Zellen auch im Stahltank unentwegt trifft.
Weshalb Nabelschnurblut eingelagert werden sollte
Die Stammzellen in dem Nabelschnurblut stellen ein wertvolles Gut dar. Wird es bei einer öffentlichen Nabelschnurblutbank eingelagert, kann es weltweit das Leben anderer Personen retten, für das Kind selbst ist es dann nicht mehr verfügbar. Wird das Nabelschnurblut als Vorsorge für das eigene Kind eingelagert, steht es im Fall einer Erkrankung für das Kind selbst oder ein Familienmitglied auf jeden Fall zur Verfügung.