Nabelschnurblut-Forschung: Sinnvoll wäre es, wenn die Klappe mitwachsen würde

nabelschnurblut-sodianSeit 1998 beschäftigt sich Dr. Ralf Sodian  nun mit der künstlichen Herstellung von Geweben. Im zweiten Teil unseres Interview mit dem Herzchirurgen und Privatdozenten spricht der Mediziner nun über seine Erfahrungen, die er innerhalb der Forschungsgruppe und in der praktischen Tätigkeit als Oberarzt gewonnen hat. Ziel der Wissenschaftler ist es, dass Kindern mit schweren Herzfehlern einmal die zahlreichen Operationen erspart werden können.

Wie steht es mit Herzklappen aus Kunststoff – kann man diese nicht bei Kindern verwenden?

Der Einsatz von Kunststoffklappen hat den großen Nachteil, dass man das Blut verdünnen muss. Dünneres Blut führt zu einem größeren Blutverlust bei Verletzungen. Das ist bei Kindern häufig problematisch, weil sie natürlich spielen, Fahrrad fahren und Sport treiben. Dabei kann es jedoch schnell zu größeren Blutungen oder Hämatomen kommen. Außerdem besteht bei Kindern, die mechanische Herzklappen tragen, aus bestimmten Gründen eine verstärkte Gefahr, dass Thromben, also kleine Blutgerinnsel, entstehen. Diese Thromben können Schlaganfälle und Hirnblutungen auslösen.

Wie häufig werden Kinder mit Herzfehlern geboren?

In Deutschland kommen ungefähr sechs- bis siebentausend Kinder pro Jahr mit einem Herzfehler auf die Welt. Das entspricht etwa 0,7 bis 0,9 Prozent aller Neugeborenen.

Was bedeutet es für die Kinder, einen solchen angeborenen Fehler zu haben?

Sie können dadurch lebenslang chronisch krank sein. Es ist aber auch möglich, dass es sich nur um einen kleinen Defekt handelt, der chirurgisch schnell zu korrigieren ist. Dann können die Patienten ein ganz normales Leben führen. Viele sind jedoch nicht zu behandeln, indem man die gewöhnliche Anatomie bei ihnen herstellt. In diesen Fällen werden stattdessen Kreislaufverhältnisse geschaffen, die zumindest günstiger sind als jene, die sie bei der Geburt hatten. Die Kinder können damit alt werden, entwickeln jedoch im Erwachsenenalter oft spezifische Probleme mit ihrem Herzfehler. Dabei handelt es sich beispielsweise um Herzrhythmusstörungen oder Klappenfehler, die dann wiederum korrigiert werden müssen.

Wie kann man diesen Patienten helfen und diese Folgeerkrankungen unterbinden?

Sinnvoll wäre es, wenn die Klappe mitwachsen würde. So müsste sie nicht operativ wieder ausgetauscht werden, wenn das Kind – und damit auch sein Herz – wächst. Eine mitwachsende Prothese müsste im Idealfall nur einmal implantiert werden und würde sich dann in das umliegende Gewebe integrieren. Sie sollte so dieselben biologischen Funktionen übernehmen wie eine normale, gesunde Klappe. Eine solche Prothese herzustellen, ist unser Ziel.

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