Neue Strategien entwickeln, um Typ-1-Diabetes endgültig zu heilen
Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler ist seit 25 Jahren in der Diabetesforschung tätig. Sie beschäftigt sich einerseits mit der Entstehung, andererseits aber auch mit Prävention und Therapie des Typ-1-Diabetes. Die Medizinerin ist Oberärztin an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Suchtmedizin am Städtischen Klinikum München-Schwabing. Zudem ist sie Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München. Im Interview spricht Professorin Ziegler über den aktuellen Stand in der Diabetesforschung und über die Chancen des Einsatzes von Nabelschnurblut für Diabetespatienten. Erfahren Sie im ersten Teil mehr über die Motivation der Wissenschaftlerin, auf dem Gebiet der Diabetesforschung zu arbeiten und wo sie die Ursachen der Erkrankung sieht.
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Diabetes und leiten seit 1996 das Institut für Diabetesforschung in München. Was ist für Sie auf diesem Gebiet so spannend?
Spannend kann man dazu nicht wirklich sagen, eher bedrohlich. Die Zahl der Diabetiker nimmt so dramatisch zu, dass wir heute von einer Diabetesepidemie sprechen können. Es wird heute recht viel von Typ-2-Diabetes, dem Altersdiabetes berichtet, aber die Epidemie des Typ-1-Diabetes betrifft immer mehr Kinder und Jugendliche. Das Erkrankungsalter beziehungsweise die Manifestation von Typ-1-Diabetes verlegt sich immer häufiger in die frühen Lebensjahre. Dieser bedrohliche Umstand fordert, dass diese Krankheit wirklich aufgeklärt wird und endlich geheilt werden kann. Unser Ziel ist daher unter anderem, gute Präventionsstrategien zu entwickeln, also die Krankheit zu verhindern, oder wenn sie nun einmal ausgebrochen ist, sie endgültig zu heilen. Und das ist der Grund, warum ich mich so intensiv mit dem Thema beschäftige. Ich möchte diesen Kindern helfen, die an dieser chronischen Krankheit leiden. Diabetes-Typ-1 ist schon jetzt die häufigste chronische Krankheit im Kindesalter. Wir alle wissen, dass nach Ausbruch der Krankheit das ganze Leben der Kinder durch diese bestimmt ist und deswegen habe ich mich diesem Forschungsgebiet verschrieben.
Bis heute kann die Wissenschaft trotz aller Forschung aber noch nicht exakt die Gründe nennen, die zu Diabetes führen. Können Sie uns sagen, wo nach heutigem Stand der Forschung die Ursachen dieser Krankheit liegen?
Das ist sehr schwierig. Ich möchte dazu vorab anmerken, dass erst vor etwa 30 Jahren entdeckt wurde, dass es sich beim Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung handelt. Das heißt, dass die Antikörper, die bei dieser Erkrankung auftreten und sich gegen die insulinproduzierenden Zellen des Körpers wenden, erstmals zu diesem Zeitpunkt beschrieben wurden. Heute wissen wir, dass es von diesen Antikörpern vier verschiedene Typen gibt, während damals lediglich ein Typ bekannt war. Unsere eigene Forschergruppe gewann die Erkenntnis, dass diese Antikörper sehr viele Jahre vor dem klinischen Ausbruch der Erkrankung auftreten und zwar sehr häufig bereits in den ersten beiden Lebensjahren. Das heißt also, dass diese Immunerkrankung eigentlich schon sehr früh beginnt und bereits viele Jahre im Körper der Patienten vorhanden ist, ohne dass diese die Erkrankung bemerken. Wenn also ein Kind mit einem neu entwickelten Diabetes in die Klinik kommt, ist das nicht der Beginn der Erkrankung, denn eben dieser liegt sehr lange zurück. Unser Ziel muss es demnach sein, die Ursachen von Diabetes früher erkennen zu können, damit wir den eigentlichen Ausbruch der Krankheit verhindern können.
Inwieweit spielen Umweltfaktoren eine Rolle für die Entstehung von Diabetes?
Ein Umweltfaktor, den man in diesem Zusammenhang nennen muss, ist die Ernährung. So geben verschiedene Studien Hinweise darauf, dass die Entstehung von Diabetes im Zusammenhang mit der frühkindlichen Ernährung steht. Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren. Zum Beispiel gibt es die Beobachtung, dass die immer stärker werdende Hygiene ungünstig für die Entwicklung des Immunsystems ist. Dass das Immunsystem eines Kindes durchaus viele Infektionen durchmachen muss, um natürlich zu reifen, ist bekannt. Die Wegnahme von natürlichem Schmutz und natürlichen Infektionen können also durchaus verhindern, dass sich ein gesundes Immunsystem entwickelt. Das bedeutet, dass man sich auch mit diesen Faktoren befassen muss. Eine endgültige Gewissheit haben wir derzeit darüber aber einfach noch nicht. Es sind jedoch nicht allein äußere Faktoren, die man für die Entstehung von Diabetes verantwortlichen machen muss. Diabetes hat auch eine starke genetische Komponente.
Foto: Jan Roeder / Helmholtz Zentrum München
[...] welche Faktoren letztlich zur Ausbildung dieser schweren Erkrankung verantwortlich sind. Auf einem Expertenportal, dass sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Nabelschnurblut befasst, ist nun ein Interview [...]
[...] Allerdings führt diese Behandlung nicht zur endgültigen Heilung des Patienten. In einem auf einem Expertenportal veröffentlichten Interview spricht die Diabetes-Expertin Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler [...]
Den zweiten Teil des Interviews mit Frau Prof. Ziegler lesen Sie hier: http://www.nabelschnurblut-experten.de/die-autologe-nabelschnurbluttransplantation-ist-ein-ganz-neues-therapiekonzept/1524
Zum dritten Teil des Interviews gelangen Sie hier: http://www.nabelschnurblut-experten.de/wir-benoetigen-neue-behandlungsmethoden-fur-diabetes-ziegler3/1527