Stammzellen zur Behandlung von degenerativen Erkrankungen
Die Übertragung der Ergebnisse von Dr. Nicole zur Nieden auf Nabelschnurblutstammzellen ist möglich und realistisch. Die Wissenschaftlerin, die derzeit zwei Arbeitsgruppen in Deutschland und Amerika leitet, arbeitet unter anderem an Heilungsmethoden für Osteoporosepatienten. Allerdings benutzt sie für ihre Forschungen embryonale Stammzellen. Im letzten Teil des Interviews schildert sie ihre Meinung zur Ethik-Debatte, konkrete Anwendungsmöglichkeiten von Stammzellen und die Stellung Deutschlands in der so genannten “Forschungslandschaft”.
Wo werden in Zukunft die Einsatzgebiete von Stammzellen liegen?
Mit Sicherheit werden die Anwendungsbereiche für Stammzellen, auch für die aus Nabelschnurblut, breit gefächert sein und einige Behandlungen könnten sich in zehn Jahren schon erfolgreich auf dem Markt etabliert haben. Generell werden sie bei der Behandlung von degenerativen Erkrankungen, wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson oder auch Osteoporose Verwendung finden. Hierbei handelt es sich um Störungen, die durch fehlerhafte Zellen ausgelöst werden. Andere Applikationen könnten Verletzungen sein, wie beispielsweise Knochenbrüche – was derzeit schon angewendet wird. Aus meinen Erfahrungen heraus werden die Forschungsergebnisse gut von Ärzten angenommen. Teilweise informieren sie sich selbstständig und nehmen gerne an entsprechenden Studien teil. Zum Beispiel hatte ich in letzter Zeit mit einem Zahnmediziner zu tun, der sich mit Implantaten beschäftigte. Er fand das Thema Stammzellen sehr interessant und setzte sich deswegen mit mir in Verbindung – denn auch in Zähnen kommen sie vor.
Die Forschung mit embryonalen Stammzellen wird in Deutschland kontrovers diskutiert. Beeinflusst Sie diese Ethik-Debatte in Ihrer Arbeit?
Nicht wirklich – weil dahinter ein Informationsmangel steckt. Die Bevölkerung weiß nicht, woher die embryonalen Stammzellen für die Forschung kommen. Sie entstammen überschüssigen Embryonen, die bei künstlichen Befruchtungen anfallen und entsorgt würden. Die Forschung verwendet die Embryonen nur zur Gewinnung von Stammzellen, in Übereinstimmung mit den Eltern, die die Zellen spenden.
Deutschland wird im Bereich der Forschung oftmals als ”konservativ” bezeichnet. Sie haben und arbeiten jetzt wieder im Ausland. Wie unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen?
Es ist theoretisch möglich in Deutschland, mit humanen embryonalen Stammzellen zu arbeiten. Doch das wirkliche Problem ist die Finanzierung über eingeworbene Fördergelder. Die Argumentation im Sinne der embryonalen Stammzellen ist hierbei nicht so einfach. Wenn ich sage: ”Embryonale Stammzellen haben ein großes Potenzial für die Therapie”, kann ich davon ausgehen, nicht finanziert zu werden. Dennoch ist der Vorgang nötig und sinnvoll, um seriöse Wissenschaft zu betreiben. Deutschlands Forschungslandschaft nimmt deshalb im Stammzellfeld keine Vorreiterrolle ein, liegt aber im unteren Mittelfeld.
[...] können große Zellmengen unter immer gleichen Bedingungen hergestellt werden”. Deshalb will die Wissenschaftlerin herausfinden, worin die Unterschiede zwischen einer statischen zweidimensionalen Vermehrung in der [...]
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