Nabelschnurblut: Die Zelltherapie hat sich stetig weiterentwickelt

Der Nabelschnurblut-Experte Dr. Imhof im InterviewDer Nabelschnurblut-Experte Dr. Martin Imhof ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Zelltherapie in Österreich. Der gebürtige Wiener arbeitet als Geburtsmediziner und Oberarzt im Krankenhaus Weinviertel Korneuburg und kennt sich im Bereich der Stammzellforschung bestens aus. Im Interview legt der Mediziner die vielfältigen klinischen Forschungsprojekte dar, in denen er sich engagiert, zum Beispiel bei der Hormonersatztherapie oder der Transplantation von Eierstockgewebe. Außerdem erläutert Dr. Imhof, wie vor einigen Jahren die frühen Ansätze der Zelltherapie im Bereich der Herzchirurgie aussahen und was sich seitdem verändert hat.

Sie sind Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Zelltherapie. Warum engagieren Sie sich dort und was ist das Ziel der Vereinsarbeit?

Ich engagiere mich in diesem Verein, weil ich mich seit Beginn meiner medizinischen Tätigkeit mit Zelltherapie beschäftige. Denn schon als Student kam ich damit in Berührung, als ich mit menschlichen Herzklappen arbeitete. Derzeit arbeite ich unter anderem mit entwickelten Zellen aus dem Eierstockgewebe. Es kann eingefroren und bei Bedarf transplantiert werden. Damit soll Frauen geholfen werden, die beispielsweise nach einer Chemotherapie unfruchtbar geworden sind. Ich habe mich also nach und nach mit den verschiedenen Facetten der Zelltherapie auseinandergesetzt. Das Besondere an ihr ist, dass sie die klassische Medizin teils verbessert und teils sogar ablöst. Der Verein zur Förderung der Zelltherapie hat den Zweck, das Thema in der Öffentlichkeit zu erklären und ins rechte Licht zu rücken. Außerdem unterstützen wir Stammzellbehandlungen bei bedürftigen Personen.

Wie sah die Zelltherapie zu Ihren Studienzeiten aus?

Damals habe ich – im Rahmen meiner Arbeit in der Herzthoraxchirurgie – die Klappen aus den Herzen herauspräpariert, verarbeitet und für die Reimplantation eingefroren. So wurde Anfang der neunziger Jahre die ”frühe Zelltherapie” definiert. Inzwischen werden die Herzklappen auch aus Zellen gezüchtet. Der Patient bekommt demnach lebendes Gewebe transplantiert.

In ihren Anfängen funktionierte die Zelltherapie also ganz anders – heute greift man auf Stammzellen zurück. Können Sie diese Entwicklung kurz skizzieren?

Die ”frühe Zelltherapie” war die Zeit der Transplantationen, auch von Knochenmark – und damit begannen erst die klinischen Anwendungen in diesem Bereich. Die neuere Forschung geht nun in die Richtung, Zellen zu kultivieren, um daraus Gewebe zu züchten und beispielsweise Herzklappen herzustellen. Aber auf diesem Gebiet befindet sich die Entwicklung noch in einem frühen Stadium.

Sie sind nicht nur Vorsitzender des Vereins für Zelltherapie, sondern engagieren sich in vielfältigen Projekten. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Da ist zum einen die Kryokonservierung von Eierstockgewebe oder Teilen des Eierstockes zu erwähnen. Dies wird vornehmlich bei jüngeren Frauen gemacht, die an Krebs erkrankt sind. Dann entnimmt man ihnen vor der Chemotherapie das Gewebe und bewahrt es auf, bis die Patientin den Krebs überwunden hat. Danach kann mit der Transplantation die Funktion des Eierstockes wieder regeneriert werden und auch nach einer schweren Erkrankung zu einer erfolgreichen Schwangerschaft führen. Damit sind weitere Zukunftsaspekte verbunden, wie die Erhaltung der Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter – viele Frauen möchten heute gern im Alter von über 40 Jahren noch Kinder bekommen und könnten dabei von der Medizin besser unterstützt werden. Ein weiteres Beispiel ist die autologe Hormonersatztherapie, bei der es darum geht, dass Hormone vom eigenen Gewebe gebildet werden. Außerdem arbeiten wir an einer Immuntherapie mit Hilfe von Zellen. Sie sollen das Abwehrsystem im Kampf gegen Tumore unterstützen.

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  1. [...] Wenn Sie mehr über seine Ansichten zum Thema Nabelschnurblut erfahren wollen, finden sie hier den ersten Teil seines Interviews. Juni 19, 2009 | abgelegt unter [...]

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