Nabelschnurblut: Zeitgemäße Gesundheitsprävention mit Stammzellen

Maria-Elisabeth Lange-Ernst ist Pressesprecherin des Berufsverbandes der Frauenärzte und erfahrene Medizinjournalistin. Sie publizierte bereits eine Vielzahl an Büchern zur gesundheitlichen Prävention. Ein Thema, das noch viel zu wenig in den Köpfen der Menschen präsent ist, wie sie findet.

Frau Lange-Ernst, wie schätzen Sie die Bedeutung der individuellen Gesundheitsvorsorge im Jahr 2008 in Deutschland ein?
Die Bevölkerung muss viel mehr den Nutzen der Prävention erkennen – dafür ist eine tiefgreifende Aufklärung notwendig.

Würden Sie die Einlagerung von Nabelschnurblut in den Bereich der Prävention einordnen?
Für jemanden, der sich mit dem Thema Nabelschnurblut beschäftigt, ja. Doch für jene, die noch nie etwas von Nabelschnurblut gehört haben, wird es schwierig, dessen Einlagerung als Gesundheitsvorsorge zu erkennen. Deswegen unterstreiche ich meine Aussage: Die Aufklärung der Bevölkerung lässt sie den Nutzen von Präventionsmaßnahmen erkennen.

Was muss passieren, um der öffentlichen Skepsis gegenüber der Aufbewahrung von Nabelschnurblut als individuelle Gesundheitsvorsorge beizukommen?
Zu allererst muss der Unterschied zwischen embryonalen und adulten Stammzellen in der Bevölkerung verankert werden. Denn die meisten Menschen wissen gar nicht, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut in keinerlei Zusammenhang mit den ethisch bedenklichen embryonalen Stammzellen stehen – ihre Einsatzgebiete sind sehr verschieden. Die Forschung mit embryonalen Stammzellen hat einen schlechteren Stand in Deutschland, als die mit adulten Stammzellen, etwa aus Nabelschnurblut. Dieses Wissen muss vermittelt werden.

Warum steht die embryonale Stammzellforschung schlechter da?
Sie ist ethisch bedenklich. Denn es muss ein Embryo – eine befruchtete Eizelle, die sich schon einige Tage entwickelt hat – getötet werden, um an diese speziellen Zellen zu gelangen.

Sie fordern umfangreiche Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung. Wie steht es denn mit dem Wissen unter den Journalisten?
Im Juli letzten Jahres habe ich eine Pressekonferenz zur Bedeutung von Nabelschnurblut im internationalen Presseclub in München mitgestaltet. Dabei habe ich festgestellt, dass selbst hervorragende Journalisten kaum Hintergrundwissen zum Thema hatten. Das ist an den Fragen und in der anschließenden Diskussion deutlich geworden.

Sind Ihrer Meinung nach also die Nabelschnurblutbanken gefragt aufzuklären?
Das ist doch ganz klar! Was wir aber dennoch dringend brauchen, sind Studien. Nach meinen Informationen gibt es weltweit noch nicht genug wissenschaftliche Veröffentlichungen über die Möglichkeiten der Anwendung von Nabelschnurblut, beziehungsweise adulter Stammzellen. Es muss die Frage beantwortet werden: Was können diese Zellen in Zukunft bewirken?

Wenn Sie sagen, dass selbst Fachjournalisten zu wenig Hintergrundwissen haben, beziehungsweise noch nichts vom Thema Stammzellen aus Nabelschnurblut gehört haben: Glauben Sie, dass es ein Kommunikationsproblem zwischen Medizinern und Journalisten gibt?
Nein, überhaupt nicht. Es gibt immerhin auch genügend Mediziner, die sich mit Nabelschnurblut und dessen Potenzial noch nicht auseinander gesetzt haben. Es liegt hier kein Kommunikationsproblem vor, sondern ein Mangel an überzeugenden Studien.

Tags: ,

3 comments
Kommentar hinterlassen »

  1. [...] mit dem Potential von Nabelschnurblut auseinander gesetzt haben. Das gesamte Interview finden Sie hier. « Neues Einsatzgebiet von Nabelschnurblut: Mitwachsende Herzklappen [...]

  2. [...] und dessen Potenzial noch nicht auseinander gesetzt haben.” Das gesamte Gespräch finden sie hier. Oktober 17, 2008 | abgelegt unter [...]

  3. [...] Anwendung von Nabelschnurblut nur mit Geduld zu erreichen sind. Das Interview finden Sie hier. Oktober 30, 2008 | abgelegt unter Allgemein, Nabelschnurblut: Starkes [...]

Kommentar hinterlassen