Nabelschnurblut: Der klinische Einsatz ist keine Zukunftsmusik mehr

Professor Jensen behandelte den ersten Hirnschaden in Deutschland mit Nabelschnurblut.Landauf, landab waren vor wenigen Wochen die Erfolgsmeldungen über den kleinen Jungen zu lesen, dessen Hirnschaden mit den Stammzellen aus seinem Nabelschnurblut behandelt wurde. In Deutschland ist dieser Eingriff, der Anfang des Jahres stattfand, bisher einmalig. Schon innerhalb kurzer Zeit machte die Gesundheit des Kindes beachtliche Fortschritte. Prof. Dr. Arne Jensen, der Arzt, der die Transplantation durchgeführt hat, glaubt fest an das Potenzial des Blutes aus der Nabelschnur. Im vierten und letzten Teil unserer Interviewreihe geht der Bochumer Mediziner und Forscher darauf ein, welche Anwendungen künftig noch möglich sein könnten.

Wären induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) eine Alternative zur Forschung mit Stammzellen aus Nabelschnurblut?
Ich will nicht ausschließen, dass diese Zellen für unsere Fragestellungen in Zukunft relevant sein werden. Im Moment aber sind wir darauf ausgerichtet, das native System, wie es im Blut aus der Nabelschnur ja schon vorhanden ist, zu untersuchen. Es würde unsere Forschungsstrategie erheblich verkomplizieren, wenn wir jetzt auf die induzierten pluripotenten Stammzellen zurückgreifen würden.

Woher bekommen Sie das Nabelschnurblut für Ihre Untersuchungen?
Schwangere Frauen, die in unserer Klinik (Universitätsfrauenklinik Bochum, Anm.d.Red.) entbinden wollen, werden umfangreich über die Möglichkeiten der Einlagerung und Spende für Forschungszwecke aufgeklärt. Die meisten Mütter sind – wenn sie sich nicht für eine private Einlagerung entscheiden – dennoch sehr an einer sinnvollen wissenschaftlichen Verwendung des Blutes aus der Nabelschnur ihrer Kinder interessiert. Deshalb stimmen sie der Spende für unsere Forschung gezielt zu.

Was würden Sie Eltern raten, die überlegen, das Nabelschnurblut privat einzulagern?
Das Grundprinzip der Einlagerung ist sinnvoll – vor allem vor dem Hintergrund der laufenden Forschung. Denn ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft zu einem Einsatz der Stammzellen aus Nabelschnurblut in einem therapeutischen Konzept gelangen werden, auch wenn wir nicht wissen, wann das der Fall sein wird. Dennoch darf kein Druck entstehen – die Entscheidung sollte allein bei den Eltern liegen. Hier muss sehr sensibel vorgegangen werden. Viele junge Familien verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um sich eine private Einlagerung des Blutes aus der Nabelschnur für ihr Kind leisten zu können. Das könnte einen Gewissenskonflikt auslösen, der natürlich nicht erwünscht ist.

Ihre Forschung reiht sich in den aufblühenden Zweig der Regenerativen Medizin ein. Was denken Sie, wo werden zukünftige Anwendungsfelder von Stammzellen aus Nabelschnurblut liegen?
Ich will mich nicht zu sehr in die Forschungsgebiete meiner Kollegen einbringen. Was ich sagen kann, ist, dass vielfältige Einsätze vorstellbar sind und zum Teil schon praktisch umgesetzt werden – wie beim Tissue Engineering oder der Behandlung von Diabetes. Wann allerdings ein Einsatz beim Menschen jeweils möglich sein wird, hängt von der Durchführung klinischer Studien und den durch diese gewonnenen Ergebnissen ab.

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  1. [...] Hilfe von Nabelschnurblut können einige schwere Krankheiten geheilt werden – diese Erkenntnis setzt sich nicht nur in der [...]

  2. [...] Thema Nabelschnurblut enthält mehr und mehr Unterstützung aus der Wissenschaft. Vor kurzem haben acht Stammzellexperten [...]

  3. Danke für das informative Interview. Habe in den News gelesen, dass Prof. Jensen in diesem Jahr schon zwei Kinder mit Nabelschnurblut behandelt hat. Hier gibt es weitere Infos dazu: http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2009/msg00228.htm

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