Nabelschnurblut: Stammzelltherapie gegen Speicherkrankheiten?
Professor Dr. Wolfgang Holzgreve ist seit Ende 2008 der leitende Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende der Freiburger Uniklinik. Der Gynäkologe aus Westfalen, der zuvor 14 Jahre lang die Basler Universitäts-Frauenklinik geführt hatte, kam in Theorie und Praxis schon oft mit Nabelschnurblut in Berührung. Im Interview spricht Holzgreve über die bisherigen Forschungs- und Therapieerfolge auf diesem Gebiet und äußert sich zu den Hoffnungen der Wissenschaft für die Zukunft. Außerdem plädiert der 53-Jährige für eine staatliche Unterstützung öffentlicher Nabelschnurblutbanken.
Herr Professor Holzgreve, Sie sind im November 2008 aus der Schweiz zurückgekehrt, wo Sie zuletzt dreizehn Jahre lang am Universitätsspital in Basel gearbeitet haben. Was hat Sie ins deutsche Freiburg gelockt?
Ich habe die meisten meiner Berufsjahre in Deutschland verbracht, auch wenn ich lange in der Schweiz und außerdem für vier Jahre in den USA war. Als ich ein attraktives Angebot von der deutschen Universität, die am nächsten an Basel liegt, erhielt, war das attraktiv.
Da Sie von Haus aus Gynäkologe sind, wurden Sie sicher schon oft von werdenden Eltern auf die Einlagerung von Nabelschnurblut angesprochen. Wie schätzen Sie deren Wissensstand zu diesem Thema ein?
Eltern wissen zwar heute sicher über diese Thematik im Durchschnitt viel besser Bescheid als beispielsweise noch vor zehn Jahren. Auf der anderen Seite müssen sich schwangere Frauen jedoch mit so vielen Fragen auseinandersetzen, dass die Zeit oft nicht reicht, um sich sehr intensiv mit der Thematik Nabelschnurblut zu beschäftigen. Für viele ist das zudem noch etwas ganz Neues, selbst wenn sie vielleicht schon einmal davon gehört oder gelesen haben. Manche werden auch in der Frauenärztlichen Praxis zum ersten Mal darauf angesprochen.
Sprechen Sie die werdenden Mütter auch selbst darauf an?
Ja, ich habe das Thema bei der Schwangerenberatung immer mit einfließen lassen. Natürlich gibt es bei einer Schwangerschaft zunächst viele andere Themen, die angesprochen werden sollten, weil sie für die Entwicklung des Kindes wichtig sind. Ich denke da zum Beispiel an die Ernährung und die Lebensweise der Schwangeren oder an Vorsorgeuntersuchungen. Aber danach kann ein Arzt auch das Thema Nabelschnurblut ansprechen. Bisher wird es als Restblut betrachtet, das nach der Geburt entsorgt wird. Wenn die werdenden Mütter jedoch erfahren, dass darin Zellen enthalten sind, die Menschen bei schweren und ansonsten unheilbaren Leiden helfen könnten, dann sehen sie eine Aufbewahrung oft positiv.
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