Nabelschnurblut-Spende: Chancen nicht wegwerfen

Es gibt derzeit drei Quellen, um Stammzellen zu gewinnen, die für schwere Erkrankungen wie beispielsweise Fanconi-Anämie, Herzerkrankungen, Leukämie oder Lungenschäden zur Therapie notwendig sind. Zum einen die bisher übliche Knochenmarkspende, die jedoch für den Spender ein nicht unerhebliches Risiko bei der Entnahme birgt. Zum anderen können Stammzellen aus dem peripheren Blut sowie Nabelschnurblut gewonnen werden. Bei letzterer Möglichkeit ist die Entnahme sowohl für die Mutter als auch für das neugeborene Kind frei von jeder Nebenwirkung. Dennoch wird diese Möglichkeit trotz der ersten nennenswerten Erfolge kaum genutzt. Bei gerade einmal fünf Prozent aller Geburten in Europa wird das Blut der Nabelschnur entnommen. Viel zu wenig, wie die Geschichte des zehnjährigen Tobias Schöllmann belegt. Der Junge aus Schmallenberg ist an Leukämie erkrankt und wartet wie viele andere auch auf eine passende Stammzellspende. Bei über 3.000 Gewebemerkmalen, die zudem auch noch in millionenfacher Kombination auftreten können, ist es schwierig, den passenden Spender zu finden. Derzeit sind über 1,9 Millionen Menschen in der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) registriert. Dennoch wartet etwa jeder fünfte Leukämiepatient auf die mit seinen Gewebemerkmalen übereinstimmende Spende.

Im Fall von Tobias Schöllmann wurde sogar eine Initiativgruppe mit dem Namen ”Hilfe für Tobias und andere” ins Leben gerufen. Auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage wird zur Knochenmarkspende aufgerufen und die Hintergründe zu Spende und der Krankheit erklärt. Allerdings kostet jede Typisierung einer Spende bei der DKMS 50 Euro. So wird neben den passenden Stammzellen auch Geld benötigt. Unterstützung erhält die Familie unter anderem durch den Countrystar Tom Astor, der die Familie schon lange Jahre kennt.

Die Situation der Patienten, die mittels Stammzelltherapie behandelt werden könnte, würde sich weitaus besser darstellen,  wenn mehr Nabelschnurblut eingelagert wäre und damit eine größere Auswahl an Stammzellen zur Verfügung stünde. So bleibt es letztlich unverständlich, warum heute noch über 95 Prozent des verfügbaren Nabelschnurblutes ungenutzt entsorgt wird. Unabhängig davon, ob für die eigene Vorsorge oder als Spende, um schwer erkrankten Menschen wie Tobias zu helfen – in Nabelschnurblut stecken zu viele Chancen, als dass es einfach so weggeworfen werden sollte.

Tags: , ,

Kommentar hinterlassen