Nabelschnurblut: Informationsbereitschaft ist unabdingbar

vidaMenschen, die sich über verschiedenen Themen aus dem Bereich Gesundheit wie beispielsweise über Nabelschnurblut informieren wollen, werden von einer Unmenge an Ratschlägen, Angeboten und Empfehlungen überflutet. Diese halten jedoch oft einer seriösen medizinischen Überprüfung nicht stand. Die Internationale Prävention Organisation (IPO) hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Menschen kompentent zu informieren und mit qualifizierten Anbietern zu verbinden. Eitel Vida ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der IPO. In den bisherigen Teilen unseres Interviews sprach er unter anderem über die Aufbewahrung von Nabelschnurblut als sinnvolle Gesundheitsvorsorge. Abschließend erklärt Eitel Vida hier nun, wie notwendig die Informationsbereitschaft der Eltern hinsichtlich des Themas Nabelschnurblut ist und welche Rolle Präventionsmaßnahmen heute und in Zukunft im Bewusstsein der Menschen einnehmen sollte.

Denken Sie, dass Frauenärzte das Thema Nabelschnurblut von sich aus ansprechen sollten oder sehen Sie die Mütter in der Pflicht, sich selbst zu informieren?

Sowohl als auch. Die Informationsbereitschaft der Mutter ist natürlich unabdingbar. Allerdings kann sie sich nur informieren, wenn sie überhaupt erst einmal weiß, dass es die Möglichkeit zur Einlagerung von Nabelschnurblut gibt. Daher besteht auch eine Bringschuld der Unternehmen, die diese anbieten: Sie müssen das Verfahren bekannter machen. Die Krankenkassen werden ebenso wenig finanzielle Mittel dafür bereitstellen können wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Am besten sind also die Unternehmen dazu in der Lage, auf diese Vorsorgemöglichkeit aufmerksam zu machen – allerdings können Fachgesellschaften wie die gynäkologische Gesellschaft sie dabei unterstützen. Meine Organisation ist bereit, bei der Koordination zu helfen.

Wenn Sie den Blick nach vorn richten: Wo sehen Sie die Zukunft der Prävention?

Das Bewusstsein der Menschen, etwas für ihre Gesundheit tun zu wollen, ist an sich vorhanden. Der Informationsstand über wirklich sinnvolle Maßnahmen ist allerdings sehr unterschiedlich. In den Medien wird über viele Dinge informiert, die nicht den versprochenen Nutzen bringen, wodurch eine große Unsicherheit bei den Verbrauchern entsteht. Hinzu kommen Leistungen von Ärzten, die der Patient selbst bezahlt, die sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (iGeL), welche auch nicht in jedem Fall sinnvoll sind. Hier darf man zwar nicht pauschalisieren, aber bei einzelnen Ärzten spielt sicherlich das kurzfristige Umsatzstreben eine Rolle. Die Leistung von Präventionsmaßnahmen ist außerdem schwer messbar: Wenn es einem Patienten besser geht, nachdem er zunächst Medikamente genommen und danach etwas für die Krankheitsprävention getan hat, dann ist es für ihn schwer feststellbar, welche der beiden Maßnahmen den größeren Anteil an der Besserung seines Zustands hatte. Letztlich wird es der Erfolg der Aufklärungsarbeit sein, der den Stellenwert von Prävention bestimmt. Es ist notwendig, dass Menschen ihren Lebensstil selbstkritisch betrachten und mehr für ihr Wohlergehen tun. Die Schwierigkeit dabei ist, dass jemand, der keine akuten Gesundheitsprobleme hat, nicht unbedingt einsieht, warum er aktiv Prävention betreiben sollte. Deshalb kommt der Aufklärung eine so entscheidende Rolle zu.

Sie sind bereits darauf eingegangen, dass die Politik der Prävention nicht immer den Stellenwert einräumt, den sie verdient hätte. Könnte sich das künftig ändern? Kann Ihre Gesellschaft auch Einfluss auf die Politik nehmen?

Ja, wir arbeiten in vielen Bereichen unter der Schirmherrschaft der Gesundheitsministerien und sie haben immer ein offenes Ohr, wenn wir Projekte mit unterschiedlichen Partnern durchführen. Je weniger die Politik dabei mit finanzieren muss, desto aufgeschlossener ist sie. Aber die grundsätzliche Zustimmung zu einer Politik mit mehr Prävention einerseits und die Umsetzung durch tatsächliche politische Entscheidungen andererseits sind zweierlei Paar Schuhe. So hat sich beispielsweise Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bemüht, ein Präventionsgesetz durchzusetzen, welches dann vom Bundesrat blockiert wurde. Ich halte die Ablehnung für berechtigt, denn der Gesetzentwurf zielte ausschließlich auf die Primärprävention, zum Beispiel durch Fitnesskurse. Das Hauptproblem liegt jedoch woanders: Das Ziel sollte sein, aktiv zu werden, wenn erste Anzeichen von Krankheiten auftreten, um eine Verschlimmerung zu vermeiden.

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