“Nabelschnurblut – Immer mehr Argumente für die Einlagerung”
Der Frauenarzt Dr. Jürgen Klaußner aus Wurzen fordert einen Experten an der Spitze des Gesundheitssystems. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass Entscheidungen zum Wohle der Patienten getroffen werden. Im Interview geht er auf die Einlagerung von Nabelschnurblut ein und die Verwendung von Stammzellen für zukünftige Therapien.
Was halten Sie persönlich von der Einlagerung von Nabelschnurblut?
Es ist eine gute Sache, das steht außer Frage! Ich selbst habe das Nabelschnurblut meines jüngsten Sohnes einlagern lassen. Leider gab es diese Möglichkeit für meine anderen drei Kinder nicht: Das Thema Nabelschnurblut hat an Relevanz gewonnen und ist erst in den letzten Jahren Alltag im Kreissaal geworden.
Welche Rolle spielt das Thema Stammzellen in der Gynäkologie?
Durch den klaren Bezug von Gynäkologie und Geburtshilfe ist das Thema in der Praxis natürlich immer präsent. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt der Fokus des Interesses aber eher auf der Entnahme bei der Geburt. Von einer Therapie mit Stammzellen in der Frauenheilkunde sind mir im Moment keine Studien bekannt. Bedarf gäbe es dafür aber genug: Anwendungsgebiete, die ich mir für die Zukunft vorstellen könnte, sind im Reagenzglas produzierte Gewebe, wie einen neuen Eierstock: Dadurch könnten Frauen in den Wechseljahren wieder mit ihren eigenen Hormonen versorgt werden. Viele Beschwerden könnten dadurch vermieden werden.
Wie schätzen Sie den Informationsstand Ihrer Kollegen zum Thema Nabelschnurblut ein?
Jedem Frauenarzt wird das Thema bekannt sein, aber ich bezweifle, dass auch jeder Frauenarzt umfassend dazu beraten könnte. Mir ist aufgefallen, dass die Therapie mit Stammzellen in der Frauenheilkunde wenig Beachtung findet. Aber wenn ich an fachfremden Weiterbildungen teilnehme, gibt es immer wieder eine Reihe Neuigkeiten. Es ist unglaublich, welche Entwicklungen sich in der Forschung mit Stammzellen vollziehen.
Bringen Sie sich nur über Weiterbildungen auf den neusten Stand der Forschung? Oder wie informieren Sie sich noch zum Thema Stammzellen aus Nabelschnurblut?
Ich lese eine Reihe guter Fachzeitschriften. Aber hauptsächlich informiere ich mich über Fort- und Weiterbildungen. Meiner Meinung nach ist es unglaublich wichtig, auf dem neuesten Stand der Forschung zu sein und sich nicht nur in seinem Fachgebiet auszukennen. Und der Patient, der sich seinen Arzt aussucht, erkennt leider nicht auf den ersten Blick, ob er dort einen gut ausgebildeten Arzt vor sich hat. Zum Wohle der Patienten muss hier etwas getan werden! Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich noch nie um eine Antwort verlegen war. Auch über die Einlagerung von Nabelschnurblut war ich schon sehr gut informiert, als mich die erste Patientin darauf ansprach.
Sollten die Krankenkassen die Einlagerung finanziell übernehmen?
Nicht die Krankenkassen, sondern der Staat sollte hier einspringen! Aber es fehlt den Beratern der Regierungen an Visionen: Leider dominieren bei vielen Entscheidungen die Partei- und Lobbyinteressen. Es wäre eine unglaubliche Chance für alle Bürger, wenn ihnen diese Gesundheitsvorsorge zur Verfügung stehen würde. Schade, dass sich dieser Gedanke in der Politik noch nicht durchgesetzt hat. Deswegen fordere ich den Posten des Gesundheitsministers mit einen Arzt zu besetzen.
Das Interview als Druckversion finden Sie hier.