Nabelschnurblut: Großes Potenzial in der Regenerativen Medizin

Debeka-Abteilungsdirektor Maiwald empfiehlt die Aufbewahrung von Nabelschnurblut.Die Debeka Krankenversicherung enschied sich als erste Privatkasse, die Einlagerung von Nabelschnurblut sowohl finanziell als auch durch Aufklärungsarbeit zu unterstützen. Karl-Josef Maiwald, Abteilungsdirektor bei der Debeka, erläutert im Interview, welches Potenzial die Versicherung in dieser Vorsorgemöglichkeit sieht. Außerdem beschreibt er die Ansätze, die seine Kasse in Sachen Gesundheitsprävention verfolgt.

Welche konkreten Vorsorge-Programme bieten Sie Ihren Versicherten an?

Wir haben zunächst einmal ebenso wie alle gesetzlichen Krankenkassen die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Programme: Zum Beispiel die Untersuchungen von Neugeborenen – U1 bis U9 (Anm. d. Red.: Überwachung der kindlichen Entwicklung in definierten zeitlichen Abständen bis zur Einschulung). Außerdem gehören die üblichen Impfungen dazu sowie das Mammografie-Screening (Anm. d. Red.: Brustkrebsvorsorge für Frauen ab 50 Jahre). Die Debeka hat zusätzlich ein spezielles Projekt, das in die dritte Definition der Prävention einzuordnen ist, also wenn bereits eine Erkrankung vorliegt: Hier bieten wir die so genannte telemedizinische Betreuung an. Sie ist besonders für diejenigen Patienten sinnvoll, die Herz-Rhythmus-Störungen oder sogar schon einen Herzinfarkt hinter sich haben. Diese bekommen ein portables EKG, das mit einem telemedizinischen Zentrum verbunden ist. Bekommt der Patient ein Problem – beispielsweise ein enges Gefühl in der Brust oder Schweißausbrüche – kann er sich mit Medizinern verbinden lassen, die ihn dann entweder beruhigen können oder gegebenenfalls direkt den Notarzt rufen.

Woher kam der Gedanke, als Krankenversicherung die Einlagerung von Nabelschnurblut zu unterstützen?

Mit dieser Idee trat Dr. Eberhard Lampeter, Geschäftsführer der Nabelschnurblutbank VITA 34, an mich heran, nachdem er einen Vortrag von mir gehört hatte. Damals, 2005, referierte ich auf einem Workshop zum Thema Kryobiotechnologie und Stammzellbanking über die Möglichkeiten einer Krankenversicherung, Langzeitlagerungen von Zellen zu versichern. Ich habe die These der Kosten-Nutzen-Deckung erklärt: Würde die Debeka die Einlagerung der Stammzellen bezahlen und der Versicherungsnehmer wechselt später die Krankenversicherung, hätten wir die Kosten, aber nicht den Nutzen, der aus einer Heilbehandlung resultieren würde. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass Versicherte die Kosten für die Einlagerung zunächst vorschießen. Sollte es dann zu einem Einsatz des eingelagerten Materials kommen, könnten die Kosten von der Krankenversicherung im Nachhinein übernommen werden, da es die Grundlage für die Behandlung des Patienten darstellt. Dr. Eberhard Lampeter erläuterte mir die Einlagerung von Nabelschnurblut, von der ich noch nie gehört hatte, und gemeinsam überlegten wir, wie dieser Ansatz in die Bevölkerung getragen werden kann.

Die Debeka war die erste private Krankenversicherung, die die Einlagerung von Nabelschnurblut als Präventionsmaßnahme anerkannte und unterstützte. Inzwischen haben das auch fast 30 gesetzliche Krankenkassen in ihrem Portfolio. Woran liegt das?

Ich vermute, dass bei anderen Krankenkassen die gleichen ernsthaften Beweggründe dahinter stehen wie bei uns. Wir sehen in der Regenerativen Medizin ein großes Potenzial und glauben daran, dass gezüchtete Gewebe und Organe schon bald am Menschen eingesetzt werden, um bestimmte Krankheitsbilder zu lindern oder sogar zu heilen. Ein weiterer Punkt ist, dass die Gewinnung von Nabelschnurblut nur zu einem Zeitpunkt erfolgen kann, nämlich direkt nach der Geburt. Später sind diese jungen Stammzellen unwiderruflich verloren. Wir unterstützen das alles, ohne eigentlich zu wissen, ob die Regenerative Medizin überhaupt in dem Maße erfolgreich sein wird.

Demnach haben Sie ein gutes Stück Vertrauen in die Forschung mit Nabelschnurblut?

Ja, Dr. Eberhard Lampeter und die anderen Wissenschaftler auf dem Workshop 2005 haben mich schon sehr beeindruckt. Das Potenzial ist in der Regenerativen Medizin erkennbar – das zeigen auch schon einige behandelte Krankheiten. Beispielsweise Gelenkknorpelverschleiß: Bei Bedarf werden dem Patienten Knorpelzellen entnommen und in der Petrischale vermehrt, um dann wieder implantiert zu werden. Diese Methode ist sehr vielversprechend.

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