Nabelschnurblut-Gewinnung auf Umwegen

Es gibt verschiedenen Methoden, um Stammzellen zu gewinnen, die zur Behandlung schwerer Erkrankungen wie Krebs, Leukämie, Diabetes oder Fanconi-Anämie notwendig sind. Die Stammzellgewinnung aus dem Nabelschnurblut ist dabei die einfachste. Zudem ist diese Methode im Vergleich beispielsweise zur Knochenmarkspende praktisch ohne Risiko für die involvierten Personen und die Übereinstimmung der genetischen Merkmale ist gesichert.

Ein Fall aus Israel verdeutlicht, wie wichtig die Einlagerung von Nabelschnurblut sein kann. Es geht um einen Jungen, der an dem sehr seltenen Shwachman-Diamond-Syndrom leidet. Diese schwere Erbkrankheit ist unter anderem durch Symptome wie Minderwuchs oder eine schwache Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet. Daneben ist das Risiko, an Leukämie zu erkranken, deutlich höher. Schließlich haben Patienten, die an dieser Krankheit leiden, eine verkürzte Lebenserwartung.

Die einzige Hoffnung für den Jungen ist eine Stammzelltherapie. Da die Eltern bei der Geburt des Kindes jedoch versäumten, das Nabelschnurblut einlagern zu lassen, sind sie nun auf eine passende Spende angewiesen. Hier wäre noch eine passende Knochenmarkspende infrage gekommen. Die Wahrscheinlichkeit den ”genetischen Zwilling” zu finden, ist jedoch verschwindend gering. Selbst bei Geschwistern besteht nur eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent, dass die genetischen Merkmale übereinstimmen und die Stammzellen kompatibel sind.

Die Eltern des Jungen wünschten sich ein weiteres Kind, hatten jedoch Sorge, dass es an der gleichen Krankheit leiden könnte. Die Ärzte empfahlen daher eine künstliche Befruchtung. Auf diese Weise war es den Medizinern möglich, die in Deutschland bisher noch verbotene Präimplantationsdiagnostik einzusetzen und so eventuelle Erbkrankheiten bei dem künstlich erzeugten Embryo auszuschließen, bevor dieser in die Gebärmutter eingepflanzt wurde. Durch dieses Verfahren war es zudem möglich, das Erbgut der Embryos zu bestimmen und so letztlich den Embryo zu selektieren, bei dem die genetischen Merkmale mit denen des kranken Jungen kompatibel waren.

Die Ärzte hatte Glück und fanden einen passenden Embryo, der damit über die für den Jungen lebensnotwendigen Stammzellen verfügte. Bei der Geburt des Mädchens wurde dann das Nabelschnurblut entnommen und für die Behandlung des Bruders eingelagert.

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