Nabelschnurblut gegen Hirnschaden – Erfolgreiche Experimente

Kleine Patienten haben es dem Gynäkologen Prof. Arne Jensen ganz besonders angetan: Zusammen mit seinem Team arbeitet er an der Ruhr-Universität Bochum an einem Weg, Kinder mit Hirnschaden effektiv zu therapieren. Vorangegangene, erfolgreiche Studien mit Nabelschnurblut und dessen leichte Verfügbarkeit nach der Geburt ermutigten die Arbeitsgruppe, die Stammzellen auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich möglicher Hirnschäden zu untersuchen. Mit Erfolg – in ersten experimentellen Studien konnte ein positiver Einfluss von  Nabelschnurblut-Stammzellen auf die motorischen Bereiche im Gehirn nachgewiesen werden. Im Interview erklärt der Arzt, wann Sauerstoffmangel auftreten kann, wie er sich äußert und warum Stammzellen aus Nabelschnurblut in den Experimenten verwendet wurden.

Wie wird der Sauerstoffmangel verursacht?
Die Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff kann während der Schwangerschaft, der Geburt und auch danach noch auftreten. Gründe dafür sind beispielsweise ein schlecht entwickelter Mutterkuchen, zu starke Wehentätigkeiten, die die Nabelschnur komprimiert, oder Störungen der Atmung des neugeborenen Kindes. Aber nicht nur Sauerstoffmangel kann Hirnschäden hervorrufen. Auch Infektionen und Entzündungsreaktionen im Gehirn können im kindlichen Organismus großen Schaden anrichten.

Wie äußern sich die Hirnschäden bei betroffenen Kindern?
Das Schädigungsmuster ist neurologisch aufgrund der Komplexität des Gehirns durch unterschiedliche Ausprägungen gekennzeichnet: Es kommt unter anderem zu spastischen Lähmungen, bevorzugt an Beinen, aber auch an den Armen, und zu psychischen Entwicklungsstörungen. Diese äußern sich durch eine verminderte Lern- und Konzentrationsfähigkeit.

Sie möchten nun diese Hirnschäden regenerieren. Warum verwenden Sie Stammzellen aus Nabelschnurblut für Ihre Untersuchungen?
Unser Ziel ist es, therapeutische Strategien für Kinder mit Hirnschäden zu entwickeln. Dafür boten sich für unsere experimentellen Untersuchungen Stammzellen aus Nabelschnurblut an, da schon Transplantationen bei erwachsenen Versuchstieren erstaunliche Effekte erzielt haben. Wir hatten die experimentellen Möglichkeiten, um zu prüfen, ob Stammzellen aus Nabelschnurblut sich auch positiv auf Hirnschäden von Neugeborenen auswirken – das haben sie getan. Wir konnten im Tiermodell zeigen, dass die Transplantation von Nabelschnurblutstammzellen bei induzierten Hirnschäden einen erstaunlichen Effekt auf motorische Störungen hatten, so dass spastische Lähmungen stark reduziert waren oder gar nicht mehr auftraten.

Wie wirken die Stammzellen dabei?
Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt, auch ist nicht klar, ob es sich überhaupt um Stammzellen im eigentlichen Sinne handelt. Was wir im Moment sicher sagen können, ist, dass sich die Zellen innerhalb kürzester Zeit zur geschädigten Hirnregion bewegen, dort anreichern und auch mehrere Wochen nach der Transplantation dort noch nachweisbar sind. Möglicherweise sind diese Zellen dafür verantwortlich, dass sich bestimmte Funktionen des Muskelapparates bessern: Zum Beispiel Koordination der Bewegung und grobe Kraft.

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  1. [...] ich möchte hier nicht die positive Keule schwingen, insbesondere nicht hier für das Thema Nabelschnurblut – es gibt Ausnahmen. Ja, es gibt wirklich Ausnahmen – zumindest solche, die so halbwegs [...]

  2. [...] um eine Krankheit zu behandeln. Wir waren uns aber bereits damals sicher, dass sich in der Forschung noch viel entwickeln kann – auch wenn wir unsere Verwandten und Bekannten bis heute nicht davon [...]

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