“Es ist spannend, was alles möglich sein wird.”

Nabelschnurblut - Hebamme

Die Entnahme des Nabelschnurblutes darf nur von dafür geschulten Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen durchgeführt werden. Diese Regelung beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Krankenhaus – Personal. Kira Macht ist selbstständige Hebamme und betreibt ein Geburtshaus in Büdingen. Dort darf sie das Nabelschnurblut entnehmen, um die Einlagerung bei einer privaten Nabelschnurblutbank zu ermöglichen. Im Interview erzählt Sie über ihre Beweggründe diese Schritt der Qualifikation zu gehen und die Zweifel ihrer Kolleginnen.

Warum ist die Einlagerung von Nabelschnurblut Teil Ihrer Beratung?
Mein Mann und ich sind davon überzeugt, dass es ein ”sicheres Hintertürchen” für die Zukunft ist. Schon jetzt können mit den Zellen aus der Nabelschnur Beschwerden von Krankheiten gemindert oder sogar ganz beseitigt werden. Es ist sehr spannend zu erleben, was auf diesem Gebiet noch alles möglich sein wird. Deshalb haben wir das Nabelschnurblut unserer beiden Söhne auch einlagern lassen.

Dürfen Sie das Nabelschnurblut selbst entnehmen?
Ja – ich habe mich dafür schulen lassen. Denn mit der Entnahme des Nabelschnurblutes wird ein Medikament hergestellt und dafür müssen spezielle Vorschriften eingehalten werden. Die Fortbildung habe ich zunächst im Krankenhaus, wo ich als Beleghebamme tätig war, mitgemacht und war dann nochmal zusätzlich in Leipzig. Daraufhin erhielt ich ein Zertifikat, was mich und mein Geburtshaus dazu berechtigt, das Blut aus der Nabelschnur von Neugeborenen zu entnehmen. Den Anstoß dazu gab eine Schwangere, die eines Tages mit dem Entnahmeset von VITA 34 bei uns vor der Tür stand – das ist jetzt zehn Jahre her.

Ist die Entnahme des Nabelschnurblutes leicht zu erlernen?
Die Entnahme an sich ist einfach: Im Idealfall wird das Kind geboren und zügig abgenabelt. Die Gefäße der Nabelschnur sind sehr deutlich zu sehen. Nach der Desinfektion wird die Nabelschnur punktiert und das Blut kann in den Beutel fließen. Dabei bietet sich ein Helfer an, der den Blutbeutel hält. Das Prozedere an sich ist immer das Gleiche – jedoch nicht jede Geburt. Als Hebamme achte ich natürlich primär auf den Allgemeinzustand des Kindes. In manchen Fällen wird deshalb die Abnabelung verzögert und die Entnahme entsprechend später durchgeführt.

Wie schätzen Sie den Wissensstand Ihrer Kolleginnen zum Thema ”Einlagerung von Nabelschnurblut” ein?
Eher gering. Die meisten Hebammen informieren sich nur wenig über die Möglichkeiten. Das liegt vielleicht daran, dass sie zuerst an den Preis der Einlagerung denken. Dabei wird vergessen, dass im Falle einer Krankheit – wenn Stammzellen aus einer öffentlichen Bank angefordert werden müssen – die Kosten dafür um ein Vielfaches höher sein können und der Aufwand für eine Therapie enorm ist. Um die Hebammen für das Thema zu sensibilisieren, muss meines Erachtens noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Das Interview als Druckversion finden Sie hier.

Bildquelle: www.pixelio.de

Tags: ,

Kommentar hinterlassen