Nabelschnurblut: Innovative Materialien für den Kälteschlaf

Nabelschnurblut - Robert HegewaldRobert Hegewald ist Hauptgeschäftsführer der Hegewald Medizinprodukte GmbH, die 1992 gegründet wurde. Sein Team produziert Beutel für die Anwendung im medizinischen, biotechnologischen und pharmazeutischen Bereich. Gemeinsam mit der Nabelschnurblutbank VITA 34 werden außerdem spezielle Nabelschnurblut-Entnahme- und Kryobeutel entwickelt und hergestellt.  Diese Blutbeutel müssen besonderen Anforderungen entsprechen, um das Nabelschnurblut sicher von der Klinik bis in das Labor zu transportieren und anschließend in den Gefriertanks über viele Jahre haltbar zu bleiben. Welche Eigenschaften die Beutel auszeichnen und wie sie hergestellt werden, verrät der Unternehmer im Interview.

Sie haben spezielle Beutel für die Entnahme und Konservierung von Nabelschnurblut entwickelt. Was muss dabei beachtet werden?
Bei den Entnahmebeuteln steht der Erhalt der aktiven Zellen im Vordergrund. Dazu muss der Beutel über eine hohe Permeabilität (Gasdurchlässigkeit) verfügen. Sie sollte sehr hoch sein, damit die Zellen ”atmen” und so viele wie möglich überleben können. Um das zu erreichen, geben wir unseren Beuteln eine hohe Oberflächenrauheit – das heißt, wir vergrößern die Fläche, um mehr Gasdurchlässigkeit zu erhalten. Bei den Beuteln, in denen das Blut eingefroren wird, liegt der Fokus auf einer anderen Eigenschaft: Bei ihnen kommt es vor allem darauf an, dass sie die extrem niedrigen Temperaturen und den Vorgang des Einfrierens sowie des Auftauen überstehen, ohne brüchig zu werden. Denn durch die Änderung des Aggregatzustandes sind diese beiden Prozesse kritisch. Daher werden die Kryobeutel nicht aus den gleichen Materialien wie die Entnahmebeutel hergestellt. Wir haben speziell für die Bedürfnisse unseres Nabelschnurblutbank-Kunden eine Mischung entwickelt, die sowohl die Lagerung unter extremen Bedingungen, als auch den Einfriervorgang schadlos übersteht.

Im Entnahmebeutel, in dem das Nabelschnurblut nach der Geburt abgenommen wird, befinden sich ein Gerinnungshemmer und eine Nährlösung. Warum ist das so wichtig?
Beide bieten den Zellen nach der Entnahme optimale Überlebenschancen. Wenn Blut den Körper verlässt, beginnt es sofort zu gerinnen. Das Zitrat, das in unserem Beutel dem Blut zugesetzt wird,  bindet das für die Gerinnung notwendige Kalzium. Da dieser Stoff auch in geringeren Mengen im Körper vorkommt, schadet es der Blutprobe nicht.

Wie viel Blut fassen die Blutbeutel?
In den Entnahmebeuteln können insgesamt 140 Milliliter aufgenommen werden – 20  Milliliter davon sind als Lösung schon im Beutel enthalten. Dementsprechend können noch 120 Milliliter Blut aufgefangen werden. Die Menge der Lösung ist sowohl für die maximale als auch für die minimale Menge an gewonnenem Blut ideal – die Konzentration spielt in diesem Bereich keine Rolle und die Gerinnungshemmung wird in jedem Fall gewährleistet. Anders sieht es bei den Kryo-Beuteln aus, in denen das Blut über längere Zeit gefroren wird: Das Gefrierschutzmittel, das dazu gegeben wird, sorgt dafür, dass sich die Durchlässigkeit der Zellmembranen erhöht. Es verhindert, dass die Blutzellen beim Einfrieren platzen. Hier ist es entscheidend, dass eine korrekte Konzentration eingehalten wird. Diese wird im Labor von Fachkräften genau berechnet und erst kurz vor der Einlagerung hinzugefügt.

Was ist das Besondere an Ihren Beuteln im Vergleich zu herkömmlichen Blutbeuteln?
Unsere Beutel wurden speziell für die Entnahme und die Lagerung von Nabelschnurblut entwickelt. Das ist nötig, denn die Entnahme unterscheidet sich von der ”normalen” Blutabnahme. Wir benutzen zum Beispiel eine andere Kanüle: Während bei der regulären Blutabnahme eine 1,6 bis 1,9 Millimeter dicke Kanüle verwendet wird, ist sie beim Nabelschnurblut 2,0 bis 2,1 Millimeter dick. Der Durchmesser kann hier größer sein, da sich in der Nabelschnur keine Nerven befinden. Es hat außerdem den Vorteil, dass in einem kurzen Zeitraum viel Blut gewonnen werden kann, was beim Nabelschnurblut eine entscheidende Rolle spielt, da hier die Zeit begrenzt ist. Ein weiterer Unterschied sind die Anschlüsse, die wir ganz den Bedürfnissen unseres Auftraggebers angepasst haben.

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  1. [...] – quasi eine traditionelle ”Maßanfertigung” für individuelle Bedürfnisse. Lesen Sie hier das Interview mit Robert Hegewald. Januar 23, 2009 | abgelegt unter [...]

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