Nabelschnurblut – ein Thema mit hoher Relevanz für werdende Eltern

stepan-teil2-220Im ersten Teil des Interviews berichtete Prof. Dr. Holger Stepan über seine ersten Berührungen mit dem Thema Nabelschnurblut. Nun erläutert der Leiter der Abteilung für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig unter anderem die Relevanz  des Themas Nabelschnurblut und die Kenntnisse, die werdenden Eltern aber auch Geburtsmediziner darüber haben.

Seit 1998 haben Sie und Ihr Team mehr als 600 Mal eine Nabelschnurblutentnahme durchgeführt und sicher eine Menge Erfahrungen gesammelt. Wie gut kennen sich die Ärzte in Ihrer Abteilung heute mit dem Thema Nabelschnurblut aus?

Die Entnahme an sich vorzunehmen, lernen – wie gesagt – alle Kollegen. Was allerdings das tiefere Wissen über die Behandlungsmöglichkeiten mit Nabelschnurblut und die Hintergründe der Stammzellmedizin angeht, so ist dieses nur begrenzt vorhanden. Das liegt daran, dass die Ärzte, die bei uns in der Geburtsmedizin ausgebildet werden, stark ins Routinegeschäft eingebunden sind. Deshalb haben sie wenig Zeit, sich mit den Hintergründen eines Spezialgebietes wie der Stammzellforschung zu beschäftigen. Es handelt sich immerhin um eine anspruchsvolle Materie.

Wie schätzen Sie die Relevanz des Themas Nabelschnurblut für Eltern ein?

Sie scheint hoch zu sein. Denn die Eltern sind gut informiert, zum Beispiel lesen sie viel im Internet. Eine Rolle spielt vielleicht auch, dass die Menschen nicht mehr so viele Kinder bekommen wie früher – im Durchschnitt sind es in Deutschland nur noch 1,3 pro Frau. Und für die wenigen Kinder wollen die Eltern dann so viel Sicherheit wie möglich erreichen.

Sprechen Sie Schwangere direkt auf das Thema Nabelschnurblut an?

Nein, das tun wir nicht. Wenn sie bei uns im Kreißsaal sind, ist es dafür im Grunde auch zu spät. Die Kontaktaufnahme zu einer Nabelschnurblutbank geschieht viel früher. Die Frauen kommen auf anderen Wegen mit dem Thema in Berührung – etwa über Informationsmaterialien, öffentliche Veranstaltungen oder durch die Hebammen. Nur selten richten Schwangere dazu Fragen an uns. Sie wenden sich eher an die niedergelassenen Ärzte.

Wenn Sie aber doch gefragt werden: Inwieweit können Sie werdenden Eltern einen Ratschlag geben?

Empfehlungen kann ich als Arzt der Leipziger Uniklinik nicht geben, denn wir verhalten uns in dieser Sache neutral. Die Eltern müssen selbst entscheiden, ob sie das Nabelschnurblut ihres Babys einlagern wollen. Auch zu der Frage, wie sich die Behandlungsmöglichkeiten in Zukunft entwickeln werden, könnte ich nur spekulieren.

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