Nabelschnurblut: “Die Slowenen sind recht gut informiert”
Im zweiten Teil unseres Interviews mit dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der slowenischen Nabelschnurblutbank Izvorna Celica, Ian Jan, spricht der 30-Jährige darüber, welches Verständnis zum Thema Nabelschnurblut innerhalb der slowenischen Bevölkerung vorherrscht. Er betont dabei den besonderen Stellenwert von Gesundheit und damit von Nabelschnurblut als Präventionsmaßnahme. In fast jedem Geburtsvorbereitungskurs daher in Slowenien diese Thematik angesprochen. Erfahren Sie im Interview mehr über die Parallelen, aber auch die Unterschiede, die hinsichtlich der Einlagerung von Nabelschnurblut zwischen Slowenien und Deutschland bestehen.
Nur fünf Prozent des weltweit verfügbaren Nabelschnurblutes wird bei der Geburt entnommen und eingelagert. Wie ist diesbezüglich der Prozentsatz in Slowenien?
In Slowenien liegt die Quote in einem ähnlichen Bereich, möglicherweise ist sie jedoch ein wenig höher als fünf Prozent.
Gibt es neben Izvorna celica noch andere private Nabelschnurblutbanken in Slowenien? Wie würden Sie das Wettbewerbsumfeld beschreiben?
Außer Izvorna celica gibt es noch zwei andere Unternehmen, die sich mit Nabelschnurblut beschäftigen. Eine dieser Firmen repräsentiert Cryo Save, die andere nutzt die Einrichtungen einer öffentlichen Blutbank. Diese Firmen sind etwas größer als unser Unternehmen, da sie bereits seit 2007 am Markt sind und jährlich mehr Kunden gewinnen. Unsere Konkurrenten haben einen ungefähren Marktanteil von jeweils 40 Prozent, während sich der Marktanteil von Izvorna celica auf 20 Prozent beläuft. Da wir einen qualitativ besseren Service anbieten, sind unsere Preise ein wenig höher als bei der Konkurrenz.
Wie steht die slowenische Bevölkerung der Thematik Gesundheitsvorsorge gegenüber? Wie ausgeprägt sind die Gesundheitsleistungen in Slowenien?
In Slowenien ist Gesundheit ein wichtiges Thema. Ein gutes Beispiel dafür ist der Prozentsatz von Eltern, die das Nabelschnurblut ihrer Kinder einlagern lassen, der in etwa auf europäischem Level liegt, aber wahrscheinlich ein wenig höher ist, als der europäische Durchschnitt. Das öffentliche slowenische Gesundheitssystem ist gut ausgebaut. Dies ist auch der Grund, weshalb die Zahl privater Kliniken in Slowenien unter dem europäischen Durchschnitt liegt.
Wie gut sind Ihrer Meinung nach die Menschen in ihrem Land über Stammzellen und das Potenzial von Nabelschnurblut informiert?
Ich freue mich sagen zu können, dass die Slowenen recht gut informiert sind Die Aufbewahrung von Nabelschnurblut wird den meisten werdenden Eltern in Geburtsvorbereitungskursen vorgestellt. Auch sind die meisten slowenischen Ärzte grundlegend über die Thematik informiert. Natürlich gibt es nach wie vor Eltern, die nicht über die Möglichkeit der Nabelschnurblutaufbewahrung informiert sind. Außerdem steht die Frage im Raum, ob diejenigen, die nach Informationen suchen, auch alle nötigen Informationen erhalten.
Auf welchen Wegen informieren Sie die Bevölkerung über die Einsatzmöglichkeiten von Nabelschnurblut? Wie sieht Ihre Kommunikationsstrategie aus?
Wir verfügen über eine sehr gut gestaltete Homepage, die viele nützliche Informationen über Stammzellen, deren Einsatzmöglichkeiten in der Medizin, die Entnahme von Nabelschnurblut und weitere verwandte Themen bereithält. Interessierte Eltern können uns problemlos über Google, facebook und andere bekannte Seiten finden. Ergänzend dazu haben wir slowenische Gynäkologen mit Broschüren ausgestattet, die einige grundlegende Informationen für werdende Eltern beinhalten. Die Frauenärzte sind die Ansprechpartner für weitere Fragen. Natürlich können sich werdende Eltern auch in einem unserer zwei Büros in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und in Maribor erkundigen. Darüber hinaus haben wir eine Telefonhotline, die rund um die Uhr besetzt ist.
Gibt es in Slowenien die Möglichkeit, Nabelschnurblut an eine öffentliche Blutbank zu spenden? Wenn ja, ist das in jedem Krankenhaus möglich?
Ja. Die Möglichkeit, Nabelschnurblut für eine Spende in einer öffentlichen Nabelschnurblutbank zu entnehmen, gibt es in Slowenien bereits seit etwa zwei Jahren. Die Nabelschnurblutentnahme kann in jedem Krankenhaus durchgeführt werden.
In Deutschland bieten Nabelschnurblutbanken Kombimodelle an, bei denen Eltern das Nabelschnurblut zwar für ihr Kind einlagern, aber im Bedarfsfall immer noch für einen anderen Menschen spenden können. Gibt es derartige Angebote auch in Slowenien?
Diese Möglichkeit besteht derzeit noch nicht. Wir hoffen allerdings, dass wir ein ähnliches Modell im zweiten Halbjahr 2010 anbieten können. Es sollte dabei keine Probleme geben, da Slowenien EU-Mitglied ist und die Stammzellen in Deutschland eingelagert werden.
Gibt es auch in Slowenien bereits Fälle, in denen das Nabelschnurblut für eine Therapie zum Einsatz kam?
Ja, einige Fälle sind bekannt. Ich selbst weiß von zwei Fällen, in denen Stammzellen aus Nabelschnurblut aus einer öffentlichen Nabelschnurblutbank in den USA eingesetzt wurden.
Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Anwendung von Stammzellen aus Nabelschnurblut in Zukunft weiterentwickeln?
Das ist eine gute Frage, die ziemlich schwer zu beantworten ist. Ich persönlich sehe der künftigen Nutzung von Stammzellen sehr optimistisch entgegen, da es außer Frage steht, wie schnell sich dieses Forschungsfeld weiterentwickelt. Ich glaube, dass die Stammzellenthematik ein großes Zukunftspotenzial hat und dass sie auch künftig weitere Investoren finden wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.