Nabelschnurblut: “Der zukünftige Einsatz steht für mich fest”

Nabelschnurblut - Dr. Michael JohnStammzellen aus Nabelschnurblut sind ideal für die Heilung von Krankheiten. Nicht umsonst befürwortet Dr. Michael John deren Aufbewahrung. Denn die blutbildenden Stammzellen im Nabelschnurblut sind jünger als die von Erwachsenen Menschen im Knochenmark. Trotzdem haben auch die Knochenmarkzellen ihre Vorteile. Im Fall von Dr. Michael John, der an der Alphaklinik in München an der Entwicklung einer neuen Methode zur Behandlung degenerativer Bandscheiben arbeitete, war es die unmittelbare Nähe zur Erkrankung. Im Interview gibt er einen Einblick in seine Arbeit.

In welchem Rahmen werden Stammzellen bei der Behandlung von degenerativen Bandscheiben eingesetzt?
Wir haben ausgetrocknete Bandscheiben behandelt, indem wir die Quelle der Stammzellen – das Knochenmark – endoskopisch angebohrt haben. Somit konnte das Blut in die Bandscheibe einfließen und die darin enthaltenen Stammzellen neue Knorpelzellen bilden. Auf diesem Weg haben sich die Kerne der Bandscheiben bei zweidrittel aller operierten Patienten erneuert.

Welche Erfolge konnten Sie mit dieser neuen Methode erzielen?
Wir hatten sehr große Erfolge, denn unsere Patienten waren zuvor therapieresistent. Das heißt, sie hatten jahrelang Beschwerden und kein Arzt konnte Ihnen helfen. Die einzige Alternative für diese Menschen waren große Wirbelsäulenoperationen, wie eine Versteifung oder Prothese. Wir haben über 50 von 77 Patienten mit dieser relativ harmlosen Methode dauerhaft helfen können. Sie hat zudem Vorteile gegenüber den klassischen Wirbelsäulenoperationen: Es ist nur eine Lokalanästhesie nötig, da wir minimalinvasiv – endoskopisch – arbeiten. Die Ausheilzeit betrug dabei sechs Wochen bis fünf Monate.

Ihre Patienten sind ja meist schon im höheren Alter. Können Sie beobachten, dass das Alter der Patienten und seiner Stammzellen den Heilungserfolg beeinflussen?
Alle chirurgischen Eingriffe bei älteren Menschen benötigen eine längere Heilungsphase als bei jungen Patienten. Zudem sind die Zellen so alt, wie der Mensch – auch die Stammzellen. Ihr Entwicklungspotenzial sinkt mit zunehmenden Alter. Für eine Regeneration und Heilung würden sich daher auch Stammzellen aus Nabelschnurblut anbieten.

Welche Zellen kommen im Nabelschnurblut vor und warum bietet sie sich zur Behandlung an?
Im Nabelschnurblut finden sich sehr junge und frische adulte Zellen. Dabei handelt es sich unter anderem um blutbildende Stammzellen, ähnlich denen aus dem Knochenmark. Ihr Einsatz wäre eine gute Alternative, da sie ein sehr hohes Regenerations- und Entwicklungspotenzial haben. Würde es allen Patienten zu Verfügung stehen, wäre das eine gute Sache. Daher befürworte ich die Einlagerung von Nabelschnurblut. Zumal wir in Zukunft in der Lage sein werden, diese tiefgefrorenen Stammzellen bei unterschiedlichen Erkrankungen einzusetzen.

Das Interview als Druckversion finden Sie hier.

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