Nabelschnurblut: “Bereich mit großem Potenzial”

Nabelschnurblut-Einlagerung in Italien mit Roberto Marani von Sorgente
Weltweit wird zu Stammzellen aus Nabelschnurblut geforscht. Aber wie wird in anderen Ländern mit dem Thema umgegangen? Wie sehen die Entnahme- und Einlagerungsbedingungen für Nabelschnurblut außerhalb Deutschlands aus? Im folgenden Interview spricht Roberto Marani, geschäftsführender Direktor der italienischen Nabelschnurblutbank Sorgente, über die Möglichkeiten der Nabelschnurblut-Einlagerung in Italien. Der 35-Jährige, der das Unternehmen erst 2009 gegründet hat, gibt zum einen Einblick über seine Motivation, eine private Nabelschnurblutbank aufzubauen und erklärt zum anderen, wo die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem italienischen Markt liegen. In diesem Zusammenhang spricht er auch über die Zusammenarbeit mit einer deutschen Nabelschnurblutbank.

Was hat Sie dazu bewogen, eine Nabelschnurblutbank in Italien aufzubauen?

Die Schwester einer meiner Freunde hat vor drei Jahren ein Kind bekommen und mein Freund erzählte mir damals, dass sie Schwierigkeiten hatten, eine Firma zu finden, die das Nabelschnurblut ihres Kindes einlagern würde. Zuvor hatte ich nie von Stammzellen in Nabelschnurblut gehört. Allerdings wurde durch diese Gespräche mein Interesse an diesem Thema geweckt und ich begann, im Internet nach weiteren Informationen zu suchen. Bald merkte ich, dass in diesem Bereich großes Potenzial liegt. Dort wo Informationsbedarf besteht, gibt es auch entsprechende Marktmöglichkeiten.

Was halten Sie persönlich von Nabelschnurblut als persönliche Gesundheitsvorsorge?

Obwohl ich nicht über tiefergehendes medizinisches Wissen verfüge, glaube ich, dass die Nützlichkeit von Stammzellen in vielerlei Hinsicht klar auf der Hand liegt. Unser medizinischer Direktor bei Sorgente ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Transplant Biology Research Center an der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität in Boston. Er forscht viel zum therapeutischen Einsatz von Stammzellen zur Bekämpfung von Diabetes und hat bereits einige erfolgreiche Tests in den USA durchgeführt. Wie Sie wissen, hat unser Partner Vita 34 ebenfalls bereits erfolgreich Stammzellen zur Behandlung von Diabetes und anderen Krankheiten eingesetzt. Eingedenk dieser Anwendungen wird deutlich, dass die private Einlagerung von Nabelschnurblut sehr nützlich ist. Natürlich ist es ebenfalls sehr sinnvoll, Nabelschnurblut zu spenden. Leider ist das System zum Spenden von Nabelschnurblut in Italien noch nicht sehr ausgereift. Nur zwei Prozent der Entbindungskliniken in Italien verfügen über die erforderliche Ausstattung zur Entnahme von Nabelschnurblut für den öffentlichen Gebrauch. Wenn nun eine italienische Frau in einer Klinik entbindet, die nicht zu diesen zwei Prozent gehört, hat sie zwei Möglichkeiten: entweder sie lässt die wertvollen Stammzellen privat einlagern oder das Nabelschnurblut wird bei der Geburt verworfen.

Seit wann ist es in Italien möglich, Nabelschnurblut einzulagern?

Die Möglichkeit, Nabelschnurblut zu spenden, wurde in Italien ungefähr vor zehn Jahren eingeführt. Fünf Jahre später wurde es auch möglich, Nabelschnurblut für den privaten Gebrauch einzulagern.

Wie schätzen Sie Ihren Einstieg auf dem Markt im Bezug darauf ein, dass es in Italien noch nicht flächendeckend möglich ist, Nabelschnurblut zu entnehmen und einzulagern?

Die private Einlagerung von Nabelschnurblut wird in Italien erfolgreicher werden. Im Jahr 2009 wurde in Italien das Nabelschnurblut von rund 18.000 Babys für den privaten Gebrauch eingelagert. Dies entspricht 3,2% der italienischen Geburten im Jahr 2009. Momentan gibt es in Italien 23 Unternehmen, die die Einlagerung von Nabelschnurblut anbieten – wir haben also einige Konkurrenten auf dem Markt.

Ihre Firma arbeitet mit der deutschen Nabelschnurblutbank Vita 34 zusammen. Wie hat diese Zusammenarbeit begonnen?

Alles begann im Mai 2009, als ich den damaligen Vertriebsleiter von Vita 34 kennenlernte. Er war dafür verantwortlich, Kontakte zu ausländischen Firmen aufzubauen. Bei einem Treffen habe ich ihm unseren Geschäftsplan vorgestellt, woraufhin sich Vita 34 dafür entschied, uns zu unterstützen. Obwohl sich viele italienische Unternehmen für eine Zusammenarbeit beworben haben, entschied sich Vita 34 dafür, diese Anträge abzulehnen, da Vita 34 auf der Suche nach verlässlichen Partnern war. Sorgente schätzt sich sehr glücklich, mit Vita 34 zusammenzuarbeiten, da es sich um eine der führenden europäischen Firmen zur Einlagerung von Nabelschnurblut handelt.

Wie genau würden Sie die Zusammenarbeit zwischen Sorgente und Vita 34 beschreiben?

Sorgente profitiert ungemein vom Fachwissen und der Erfahrung, die Vita 34 in verschiedener Hinsicht bietet. Wir können durch die Zusammenarbeit beispielsweise besser am Markt auftreten, unsere Kommunikation verbessern, medizinisches Personal fundierter schulen und technische Dinge besser handhaben. Vor allem am Anfang der Zusammenarbeit hat Vita 34 uns wertvolle Hilfe gegeben. Da sich der italienische Markt jedoch vom deutschen unterscheidet, haben wir unser eigenes Geschäftsmodell entwickelt, wir schätzen aber nach wie vor Unterstützung von Vita 34, vor allem im Bereich der Nabelschnurbluteinlagerung. Ich möchte betonen, dass Sorgente nicht nur eine Vertriebsfirma ist, sondern auch im Forschungsbereich aktiv ist. Wir arbeiten mit der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität in Boston und mit dem wissenschaftlichen Institut “San Raffaele” in Mailand zusammen. Letzteres ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Institute in Italien. Wir haben uns auch bei der Europäischen Union um finanzielle Unterstützung in der Stammzellenforschung beworben. Wir interessieren uns sehr für die Zukunft der Stammzellenforschung. Man kann als Unternehmen in diesem Bereich nicht überleben, wenn man die wissenschaftliche Forschung ignoriert.

Tags: , , , , ,

Ein Kommentar
Kommentar hinterlassen »

  1. Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews: http://www.nabelschnurblut-experten.de/nur-wenige-einrichtungen-konnen-nabelschnurblut-fachgerecht-lagern/1700/comment-page-1#comment-13897

Kommentar hinterlassen

*