Nabelschnurblut als Grundlage für mitwachsende Herzklappen
Privatdozent Dr. Ralf Sodian ist Oberarzt für Herzchirurgie an der Uni München. Zudem beschäftigt er sich seit 1998 – damals noch im Children’s Hospital der Harvard Medical School in Boston – mit Tissue Engineering, also der künstlichen Herstellung von Geweben. Nabelschnurblut-Stammzellen bilden eine gute Grundlage hierfür. Im Gespräch mit nabelschnurblut-experten.de erläutert Sodian die Arbeit seiner Forschergruppe an mitwachsenden Herzklappen für Kinder. Diese sollen mit Hilfe eigenen Zellmaterials der kleinen Patienten hergestellt werden, das bei der Geburt aus dem Nabelschnurblut und dem Nabelschnurgefäß gewonnen wird.
Sie sind praktizierender Herzchirurg. Was hat Sie dazu bewogen, in die Forschung zu gehen?
Die Herzchirurgie befindet sich ständig in der Entwicklung, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Denn es wird immer versucht, neue, bessere Lösungen zu finden. Deshalb spielt die Forschung eine so große Rolle. Nur mir ihrer Hilfe kann den Patienten eine möglichst gute Perspektive geboten werden. Und darum finde ich es wichtig als Herzchirurg, zu forschen. Außerdem hat meine Arbeit das Ziel, einen konkreten Bedarf zu decken. Dieser ergibt sich daraus, dass es für Kinder mit schweren Herzfehlern noch keine besonders guten Prothesen gibt. Fast alle verwendeten Konstrukte müssen früher oder später ausgetauscht werden. Deshalb müssen die Kinder mehrfach operiert werden. Aus diesem Grunde versuchen wir, eine bessere Lösung zu entwickeln, um mit nur einer Operation auszukommen.
Woran liegt es, dass es noch keine guten Herzklappen für schwer kranke Kinder gibt, also auch keine biologischen Klappen?
Hier muss zwischen zwei Arten biologischer Herzklappen unterschieden werden: Solchen, die aus tierischem Gewebe hergestellt werden, und sogenannten Homografts. Letztere sind allogene, das heißt von Fremdspendern stammende Klappen, die zum Beispiel von verstorbenen menschlichen Spendern gewonnen werden. Die Herzklappen aus Tiergewebe werden bei älteren Menschen routinemäßig verwendet. Sie können aber beinahe gar nicht bei Kindern implantiert werden, weil sie sehr schnell degenerieren. Innerhalb von Monaten, vielleicht sogar Wochen, sind sie kaputt. Eine genaue Erklärung für diese schnelle Abnutzung gibt es nicht. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass sie damit zusammenhängt, dass Kinder einen anderen Stoffwechsel haben als Erwachsene. Ein weiterer Punkt ist, dass sie eine höhere Herzfrequenz haben. Dadurch werden die Klappen möglicherweise zu stark belastet. Hier handelt es sich aber um bisher nicht belegte Hypothesen. Fakt ist, dass die Prothesen schnell verkalken.
Und wie sieht es mit den Homografts aus?
Hier ist das große Problem, dass sie schwer zu bekommen sind. Denn bei diesen Spenderherzklappen von Verstorbenen gibt es verständlicherweise ein Nachschubproblem. Die zweite Schwierigkeit bei der Verwendung von Homografts ist darin zu sehen, dass ihre Implantierung eine technisch schwierige Operation ist. Drittens gibt es gegen diese Herzklappenart auch immunologische Bedenken. Die Hypothese, dass es zu einer Abstoßungsreaktion kommt, taucht immer wieder auf – auch wenn sie bislang nicht generell wissenschaftlich belegt werden konnte.
[...] einer Expertenseite für Nabelschnurblut findet sich ein Interview mit Dr. Ralf Sodian, Oberarzt der Uni München. Hier spricht der [...]