Nabelschnurblut – bald keine Herztransplantationen mehr notwendig?
Das Problem bei Herzkrankheiten ist in erster Linie jenes, dass das Herzgewebe nicht nachwächst. Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 250.000 Menschen einen Herzinfarkt. Ein Viertel der betroffen Patienten stirbt an den Folgen, da durch den Infarkt Zellgewebe des Herzens unwiederbringlich zerstört wird. Für die Behandlung stark beschädigter Organe gibt es bisher nur eine effektive, aber sehr riskante Behandlungsmethode – die Transplantation.
Wissenschaftler aus Rostock forschen seit geraumer Zeit an einer neuem Therapieansatz zur Behandlung von Herzkrankheiten. Mit Hilfe beispielsweise aus Nabelschnurblut gewonnener Stammzellen könnte zerstörtes oder beschädigtes Herzgewebe nachwachsen. In den ersten Forschungsphasen konnten bereits erste Erfolge verzeichnet werden. Prof. Gustav Steinhoff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock bestätigt, ”dass menschliche Stammzellen tatsächlich an der Regeneration von Herzen beteiligt sind, die durch Infarkte in ihrer Funktion beeinträchtigt waren.”
Heute schätzt Prof. Steinhoff, dass die Forschung noch etwa drei Jahre benötigen wird, ehe die Stammzelltherapie bei Herzkrankheiten zur Standardtherapie werden wird. Um das Gewebewachstum des Herzens zu fördern, muss eine hohe Konzentration von körpereigenen Stammzellen direkt in den Herzmuskel gespritzt werden. Nach wenigen Wochen würden diese dann ins Gewebe einwachsen. Mit dieser Methode könnten zum Beispiel Menschen, die an chronischen Durchblutungsstörungen infolge eines Herzinfaktes leiden, behandelt werden.
Die Rostocker Wissenschaftler bereiten derzeit Phase drei der Prüfung dieses Therapieansatzes vor. Während die Stammzelltherapie bisher in puncto Wirkung, Nebenwirkungen und Dosierung untersucht wurde, gilt es nun Fragen der Lebensqualität und der Lebenserwartung bei den Patienten zu prüfen. Die Herzchirurgen sind überzeugt, dass die Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden, belastbarer sein werden und sich somit auch die Lebensqualität verbessern wird.
Für die Wissenschaft bedeutet dies auch weiterhin in puncto Nabelschnurblut zu forschen. Durch die auf diese Weise gewonnenen Stammzellen könnten künftig risikoreiche Transplantationen vermieden werden.