Es gibt viele Enwicklungsmöglichkeiten für Nabelschnurblut

Maria-Elisabeth Lange-Ernst, Pressesprecherin des Berufsverbandes der Frauenärzte und erfahrene Medizinjournalistin, hält das Potenzial von Stammzellen aus Nabelschnurblut für zukunftsweisend. Jedoch ist dafür Zeit und Geduld gefragt.

Die Stammzelle wird oft als Powerzelle mit viel gepriesenem Potenzial gesehen. Was glauben Sie, wo wird die Entwicklung hingehen?
Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen. Was ich aber machen kann ist, die aktuellen beeindruckenden Forschungsarbeiten zu verfolgen. Es wurden zum Beispiel vor kurzem adulte Stammzellen aus der Haut zu Herz-, Blasen- und Knochenzellen umfunktioniert. Zuvor wurden sie in eine Art Urzustand zurückversetzt, aus denen alle 220 Zell- und Gewebevariationen entstehen konnten. Somit eignen sich die adulten Stammzellen aus der Haut zur Behandlung von Herzerkrankungen oder Knochendefekten und sind eine Alternative zu embryonalen Stammzellen. Diese Ergebnisse geben einen Ausblick in die Zukunft.

Kurz gesagt: Wenn in Zukunft genug Studien vorliegen, wird das Potenzial der Stammzellen und der Regenerativen Medizin in der Bevölkerung und den Medien Anerkennung finden ?
Ja, auch der Bereich der Regenerativen Medizin ist in der Bevölkerung noch nicht so bekannt. Denn davon liegt noch sehr viel in der Grundlagenforschung und das ist ein Gebiet, das für Nicht-Wissenschaftler in keinster Weise greifbar ist. Hier ist meiner Meinung nach Geduld gefragt.

Was ist für Sie das Besondere an Stammzellen aus Nabelschnurblut?
Zum einen die durch Studien bestätigte therapeutische Anwendbarkeit des Nabelschnurblutes. Zum anderen die Möglichkeit, das Nabelschnurblut privat einzulagern, wenn es für den Eigengebrauch bewahrt werden soll, oder es zu spenden.

Was glauben Sie, welchen Einfluss die Stammzellforschung auf die Medizin von morgen haben wird?
Auch hier kann ich nur Vermutungen anstellen. Ich bin mir sicher, dass hier einige Entwicklungsmöglichkeiten liegen. Dazu möchte ich ein Beispiel anbringen: Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Vor dreißig Jahren hat Prof. Dr. Harald zur Hausen postuliert, das humane Papillomaviren für die Entstehung der Krebserkrankung verantwortlich sind. Vor zwei Jahren kam der erste Impfstoff – nach zehnjähriger Entwicklung – auf den Markt. Diese Geschichte zeigt, dass Neuheiten in der Medizin viel Zeit und Geduld brauchen, bis sie etabliert sind. Und deshalb mein Aufruf: Bei der Aufklärung am Ball bleiben! Denn mit Optimismus und Ausdauer werden wir noch viel erleben, was sich in der Medizin bewegt.

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