Konsensuspapier von Wissenschaftlern: Nabelschnurblut nutzen!
Mit dem Thema Nabelschnurblut befassten sich die Stammzellexperten der International Tissue Engineering Research Association (ITERA) bei einer Konferenz in Maastricht. Dabei arbeiteten acht Fachleute aus Deutschland, Belgien, Frankreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich ein Konsensuspapier aus. In diesem plädieren sie klar dafür, das Blut aus der Nabelschnur zu entnehmen und einzulagern. Denn den potenziellen therapeutischen Nutzen schätzen die Verfasser als sehr hoch ein: Sie heben hervor, dass mit hämatopoetischen (blutbildenden) Stammzellen, die unter anderem im Nabelschnurblut enthalten sind, mittlerweile über 70 Krankheiten behandelt werden können. Darüber hinaus ist es möglich, die – ebenfalls im Blut vorhandenen – mesenchymalen (gewebebildenden) Stammzellen einzusetzen, um 15 weitere Erkrankungen zu therapieren. Und die Autoren des Papiers erwarten, dass sich in den kommenden Jahren immer mehr Anwendungsmöglichkeiten für die Zellen ergeben werden. Zwar können diese nicht nur aus Nabelschnurblut, sondern auch aus zahlreichen anderen Quellen wie beispielsweise Haut, Hoden oder Knochenmark isoliert werden. Die Experten betonen jedoch, dass die Stammzellen, die dem Blut aus der Nabelschnur entnommen werden, besondere Vorteile gegenüber anderen Zellen besitzen. Denn sie sind die jüngsten verfügbaren adulten Stammzellen und zeigen deshalb noch keine Alterungsschäden. Darüber hinaus sind sie kaum mit Keimen belastet. Somit eignen sie sich für den therapeutischen Einsatz besonders gut. Hinzu kommt, dass Nabelschnurblutzellen einfach zu gewinnen und bei Bedarf sofort verfügbar sind, wenn sie zuvor konserviert wurden. Die Gelegenheit, dies zu tun, besteht jedoch nur im Moment der Geburt. Daher appellieren die ITERA-Fachleute insbesondere an werdende Eltern, diese Chance nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen, und gehen in ihrem Papier auch auf mögliche Einlagerungsformen ein. Die private Aufbewahrung von Nabelschnurblut nehmen sie dabei ausdrücklich gegen Kritiker, die diese für überflüssig halten, in Schutz. Denn die Experten erwarten, dass künftig mehr autologe Stammzelltransplantationen stattfinden werden, so dass es als ”lohnende Investition” erscheine, die Zellen aus dem Nabelschnurblut aufzubewahren.