Forschung: Knochenmark als Versteck für HI-Viren

Wie US-amerikanische Forscher vor kurzem feststellten, können HI-Viren im Knochenmark eine medikamentöse Behandlung unbeschadet überdauern. Die bisherige Annahme, die Stammzellen-Quelle Knochenmark sei HI-Viren gegenüber widerstandsfähig, ist damit widerlegt. Dies berichtet die populärwissenschaftliche Zeitschrift  “bild der wissenschaft” auf ihrer Website.

Wie Dr. Kathleen Collins und ihr Team von der Universität Michigan bei der Untersuchung von HIV-infiziertem Knochenmarkproben feststellten, können sich die zu den Retroviren gehörenden Erreger wiederholt im Körper ausbreiten, sobald entsprechende antivirale Medikamente abgesetzt werden. Der Grund dafür ist, dass als latent infiziert bezeichnete Zellen, wie sie beispielsweise im Knochenmark vorkommen, sich mit zeitlicher Verzögerung vermehren und somit dem HI-Virus eine Art Versteck bietet. Derartige latent infizierte Zellen wurden bereits im Augen-, Hirn- und Hodengewebe identifiziert.

Die US-amerikanische Medizinerin Dr. Kathleen Collins sieht die Hauptaufgabe der Forschung darin, gezielte Behandlungsmethoden für latent infizierte Zellen zu entwickeln. Dahinter steht wiederum die Absicht, HIV-Infizierten eine lebenslange Behandlung zu ersparen.

Diese neue Entdeckung relativiert die Unbedenklichkeit von Knochenmark als Quelle von Stammzellen und rückt die Möglichkeit, Stammzellen aus Nabelschnurblut für Therapiezwecke zu nutzen, in ein positiveres Licht. Das Risiko, dass ein Kind einer HIV-positiven Mutter sich bei der Geburt mit dem AIDS-Erreger ansteckt, liegt bei unter zwei Prozent, wenn entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehören unter anderem eine antiretrovirale Behandlung der Mutter während der Schwangerschaft, eine Entbindung per Kaiserschnitt und der Verzicht aufs Stillen. Zudem weisen Stammzellen aus Nabelschnurblut prinzipiell ein geringes Risiko auf, mit Viren verunreinigt zu sein, wie die Diplom-Chemikerin Susanne Donner und die Diplombiologin Angela Winter in ihrer Arbeit “Stand der Forschung und der therapeutischen Anwendung von Nabelschnurblutstammzellen” mit Verweis auf eine Publikation von Prof. Colin McGuckin aus dem Jahr 2006 erwähnen. Der Blutkreislauf eines ungeborenen Kindes ist durch die so genannte Plazentaschranke vom mütterlichen Blutkreislauf getrennt. Die Plazenta hat unter anderem auch die Fähigkeit, Viren zurückzuhalten. Dies ist auch der Grund, weshalb eine HIV-positive Mutter ihr Kind nicht automatisch mit dem Virus infiziert.

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