Experten fordern verstärkte Aufklärung von Schwangeren über Nabelschnurbluteinlagerung

Wie die Ärzte Zeitung aktuell berichtet, ist die Aufklärung werdender Mütter über die Möglichkeiten der Konservierung von Nabelschnurblut heute noch nicht ausreichend. Infolge werde nur bei etwa 3% aller Geburten das Nabelschnurblut entnommen. Experten forderten daher auf einem Gynäkologenkongress in Düsseldorf im März eine umfassende und grundsätzliche Aufklärung der Schwangeren.

PD Dr. Volker Jacobs von der Uniklinik Köln sagte im Rahmen eines ”Meet the Expert”, dass das Therapiepotential von Stammzellen aus Nabelschnurblut in Deutschland bislang unterschätzt werde. Er verwies dabei auf Studien, etwa bei Typ-1-Diabetes, sowie auf weltweit aktive Forschungen zum Einsatz von Stammzellen aus Nabelschnurblut bei bioartifiziellen Herzklappen und neurodegenerativen Erkrankungen. Mehr als 400 Kinder seien bis heute mit ihrem eigenen Nabelschnurblut behandelt worden. Jacobs forderte angesichts dieser Zahlen, dass Annahmen, wonach der Einsatz von autologem Nabelschnurblut sehr unwahrscheinlich sei, revidiert werden müssten.

Ein beeindruckendes Beispiel für eine solche autologe Nabelschnurblut-Therapie stellte Prof. Arne Jensen von der Campus Klinik Bochum im Anschluss vor. Er hatte im Januar 2009 gemeinsam mit Ärzten der Unikinderklinik Bochum einen 2-jährigen Jungen behandelt, der infolge eines Herzstillstandes einen Hirnschaden erlitt. In Videos wurde deutlich, dass der Junge, der vor der Behandlung tetraspastisch gelähmt war und in einer Art Wachkoma lag, von der Therapie deutlich profitierte. Er konnte wenige Wochen nach der Transplantation wieder sitzen, lächeln, spricht heute wieder einfache Worte und lernt laufen.

Wie genau die Wirkweise der Nabelschnurblut-Stammzellen bei Hirnschädigungen ist, ist derzeit noch ungeklärt und weiterhin Gegenstand der Forschung. Man vermutet, dass die Stammzellen Botenstoffe und Wachstumsfaktoren ausschütten, die eine Neuroregeneration anregen. Dass sich die Stammzellen in Neuronen umwandeln, sei eher unwahrscheinlich. Jensen hat seit Januar 2009 zwei weitere Heilversuche unternommen. In den USA laufen aktuell zwei klinische Studien mit insgesamt 200 Patienten, die die optimale Dosis und die Sicherheit des Verfahrens untersuchen.

Fazit der Veranstaltung: Immer mehr Therapien mit Stammzellen aus Nabelschnurblut schaffen den Sprung von der experimentellen Phase in klinische Studien. Und bereits heute gibt es ein breites Anwendungsgebiet für Stammzellen aus Nabelschnurblut – sowohl im allogenen, als auch autologen Bereich. Angesichts dieser Entwicklung sprachen sich beide Experten dafür aus, dass der betreuende Gynäkologe Schwangere aktiv zu diesem Thema berät, damit sie die für sich richtige Entscheidung hinsichtlich der Einlagerung von Nabelschnurblut treffen kann.

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