Ethikdebatte: Mit Nabelschnurblut-Stammzellen Organmangel begegnen?

In Deutschland und Europa gibt es zu wenig Spenderorgane. Obwohl Organ-Transplantationen zunehmend erfolgreich sind, bleibt die Zahl dieser Operationen mit jährlich rund 4.000 seit Jahren konstant. Mediziner suchen daher nach Alternativen. Möglicherweise kann der Mangel an Spender-Organen künftig durch den Einsatz von Stammzellen, wie sie u.a. im Nabelschnurblut Neugeborener vorkommen, reduziert werden.

Allerdings bewegt sich die Biomedizin damit auf einem ethisch und rechtlich kontrovers diskutierten Gebiet, wie u.a. die öffentlichen Debatten um die Einführung von embryonalen Stammzellen Mitte 2008 zeigte. Die Rahmenbedingungen dieser neuen Therapiemöglichkeiten zu diskutieren, ist das Ziel des Symposiums “Transplantation und Stammzellen – Ethisches und rechtliches Spannungsfeld”, das derzeit vom Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig und vom Interdisziplinären Zentrum Medizin-Ethik-Recht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Leipzig veranstaltet wird.

Zwei Ansätze verfolgen Forscher derzeit, um mithilfe von Stammzellen dem Organmangel zu begegnen: Zum einen sollen im Rahmen neuer Zelltherapien Stammzellen dazu beitragen, geschädigtes Gewebe und Organe zu regenerieren, so dass die Zahl der benötigten Spenderorgane sinken könnte. Zum zweiten könnten künftig mit körpereigenen Stammzellen, z.B. aus Nabelschnurblut, Gewebe gezüchtet werden, die für den Patienten perfekt passend wären und keine Abstoßungsreaktionen hervorrufen würden. ”Gerüste aus künstlichem, biologisch abbaubarem Gewebe mit Stammzellen zu besiedeln, um zum Beispiel Herzmuskelgewebe zu erhalten, ist ein sehr vielversprechender Weg “, so der Direktor des TRM der Uni Leipzig, Frank Emmrich. Bislang ist die Forschung in der Lage, Haut-, Knorpel- und Knochengewebe zu züchten. Bis auch komplexe Organe wie eine Leber oder eine Niere hergestellt werden können, liegt allerdings noch ein weiter Weg vor den Forschern.

Insbesondere die Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur sind für den Einsatz in der Regenerativen Medizin und für das sogenannte Tissue Engineering sehr gut geeignet, da sie sich sehr vital sind und sich noch in jede Zellart des Körpers differenzieren können. Nabelschnurblut-Stammzellen können im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen ethisch unbedenklich gewonnen werden und die Entnahme ist für Mutter und Kind ohne Risiko.

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