Erste Stammzelltherapie für Schlaganfallpatienten
Wissenschaftler des Institute of Neurological Sciences aus Glasgow in Großbritannien werden im zweiten Quartal 2010 die weltweit erste klinische Studie zur Behandlung von Schlaganfallpatienten mit Stammzellen beginnen. Zwölf Patienten sollen zunächst in die Studie eingeschlossen und über zwei Jahre beobachtet werden. Die Rekrutierung der Patienten beginnt voraussichtlich im April.
Die Phase 1 Studie soll die Sicherheit der Transplantationstechnik sowie die neurologischen Verbesserungen nach der Therapie untersuchen. Motorische und kognitive Funktionen werden überprüft und mit Hilfe spezifischer Skalen beurteilt. Bei erfolgreichem Verlauf sollen sich weitere, größere Studien anschließen.
Das verwendete Stammzellpräparat des britischen Unternehmens ReNeuron besteht aus einer neuralen Zelllinie. In vorklinischen Studien zeigte sich, dass sich damit funktionelle Defizite und Behinderungen auch noch mehrere Wochen nach einem ischämischen Apoplex beheben lassen.
Bislang gibt es keine Therapien für Patienten, die nach einem Schlaganfall anhaltende neurologische Defizite haben. Meist können Schädigungen des betroffenen Hirnareals nur durch sofortige Medikamentengabe (Thrombolyse) verhindert werden.
In Tierexperimenten konnten Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Zellbiologie und Immunologie in Leipzig bereits zeigen, dass Nabelschnurblut-Stammzellen Lähmungserscheinungen bis zu 72 Stunden nach einem Apoplex deutlich verbessern können. Offenbar wandern die Nabelschnurblut-Stammzellen ins Hirn und regen dort eine Regeneration bzw. ein Überleben von geschädigten Zellen an. Ein klinischer Einsatz mit autologen Stammzellen aus dem Knochenmark ist aktuell in Leipzig in Vorbereitung. Der Einsatz autologen Nabelschnurbluts ist derzeit mangels entsprechender Stammzellpräparate unter den Betroffenen, die sich meist im höheren Lebensalter befinden, noch nicht möglich.
Ein Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und ist die dritthäufigste Todesursache. Etwa zwei Drittel der Patienten, die einen Schlaganfall überleben, haben infolge dessen körperliche Einschränkungen.