Entscheidung zur Nabelschnurblut-Einlagerung den Eltern überlassen
In den ersten beiden Teilen des Interviews hier auf nabelschnurblut-experten.de berichtete Prof. Dr. Holger Stepan, wie er mit dem Thema Nabelschnurblut in Berührung gekommen ist und welche Relevanz er diesem Thema beimisst. Im folgenden Teil unseres Gespräches erläutert der Leiter der Abteilung für Geburtsmedizin an der Uniklinik Leipzig nun die Abläufe der Entnahme von Nabelschnurblut bei der Geburt, spricht über die Entwicklungen der letzten Jahre auf diesem Gebiet und nimmt Stellung zu der Skepsis und Kritik des Deutschen Hebammenverbandes.
Sie sind seit den Anfängen der Nabelschnurblut-Einlagerung dabei. Welche Entwicklung konnten Sie über die Jahre feststellen?
Es ist ein stetiger Anstieg der Nabelschnurblut-Entnahmen zu verzeichnen. Am Anfang waren es wenige Fälle, und es wussten auch noch nicht viele Menschen, wie das Ganze überhaupt funktioniert. Damals war nicht absehbar, wie breit die Akzeptanz des Verfahrens einmal werden würde. Aber dann wurden es immer mehr Eltern, die das Blut aus der Nabelschnur ihres Kindes einlagern ließen.
Würden Sie uns den Entnahmevorgang kurz beschreiben?
Ja, das geht ganz einfach: Das Kind wird geboren und abgenabelt. Die Plazenta befindet sich dann noch in der Gebärmutter. In dieser Zeit wird die Nabelschnur gesäubert und punktiert. Daraufhin läuft das Blut aus Schnur und Plazenta heraus und wird mit Hilfe des Entnahmesets aufgefangen. Der Vorgang funktioniert schnell und stört in keiner Weise den weiteren Ablauf der Geburt – übrigens auch nicht bei einem Kaiserschnitt oder einer Wassergeburt.
Die Leipziger Uniklinik gehört zu den führenden Geburtskliniken in Deutschland. Muss man dann einen Trend wie die Entnahme von Nabelschnurblut mitmachen?
Nein, aber wenn wir es nicht täten, dann würden die Mütter eine andere Klinik wählen, um das Blut entnehmen zu lassen. Es gibt auch keinen Grund, der gegen die Entnahme sprechen würde. Denn medizinische Bedenken bestehen nicht. Wir sind ein Service-Dienstleister, und wenn ein Paar sagt: ”Wir möchten, dass die Stammzellen unseres Babys aufbewahrt werden”, dann ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, diesem Wunsch nachzukommen.
Nun ist der Deutsche Hebammenverband im Gegensatz zu Ihnen ein großer Kritiker der Entnahme von Nabelschnurblut. Woran, denken Sie, liegt das?
Ich vermute dahinter eine Mischung aus Skepsis und Uninformiertheit. Der größte Kritikpunkt, der immer wieder vorgebracht wird, ist, dass es sich angeblich um Geschäftemacherei handele. Die Angst von Eltern, dass ihre Kinder krank werden könnten, werde ausgenutzt, behaupten die Kritiker. Dieses Argument ist für mich aber nicht relevant, denn man sollte die Entscheidung über die Einlagerung von Nabelschnurblut den Eltern überlassen. Ebenso kann sich auch jeder für andere Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge entscheiden, die nicht zum Standard zählen. Ich vertraue der Kompetenz der Eltern und gehe davon aus, dass sie selbst bestimmen können, was das Beste für ihr Kind ist.