“Nabelschnurblut ruft keine Abstoßungsreaktion hervor”

Nabelschnurblut-RauprichDr. rer. nat. Petra Rauprich, Biologin und Schulungsbauftragte bei einer privaten Nabelschnurblutbank, erklärt, was Nabelschnurblut von embryonalen Stammzellen unterscheidet.

Frau Rauprich, wo liegen die Vorteile der Stammzellen aus Nabelschnurblut im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen?

Das grundlegende Problem ist die Tatsache, das embryonale Stammzellen nichts Körpereigenes sind und es daher bei einer therapeutischen Anwendung zu Abstoßungsreaktionen kommen würde. Die eigenen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut führen hingegen bei einer Behandlung nicht zu einer Immunreaktion. Embryonale Stammzellen sind zwar im Gegensatz zu den neun Monate alten Nabelschnurblutstammzellen jünger, aber sie bergen was die Anwendungen betrifft neben dem immunologischen Problem noch ein weiteres: Sie entarten häufig und entwickeln sich zu einer Art Tumorzelle, was nicht erwünscht ist. Erst wenn diese Schwierigkeiten von der Forschung unter Kontrolle gebracht werden, kann man über Einsätze beim Menschen nachdenken.

Wenn Nabelschnurblut so wertvoll ist, warum lagern es Krankenhäuser dann nicht automatisch ein?

Wünschenswert ist es in der Tat, aber das Problem ist die Finanzierung. Da Nabelschnurblut ein Arzneimittel ist, müssen gesetzliche Vorschriften eingehalten werden. Dazu gehören unter anderem Reinsträume zur Präparation und die sind in der Anschaffung und im Unterhalt sehr teuer. Auch die Vielzahl an Untersuchungen, um eine optimale Qualität zu gewährleisten und die Zellen lebenslang aufbewahren zu können, kosten viel Zeit und Geld – übrigens auch bei öffentlichen Banken. Die Nabelschnurblut- Einlagerung ist für die Eltern hier zwar kostenfrei, doch dort verlieren sie beziehungsweise das Kind jegliches Anrecht auf die eigenen Stammzellen. Zudem können Eltern das nur in etwa 10 Prozent aller Kliniken in Deutschland überhaupt machen, denn öffentliche Banken arbeiten aus Kostengründen nur mit Kliniken in deren Umgebung zusammen.

Zur Lösung dieses Problems hat beispielsweise die Nabelschnurblutbank VITA 34 Anfang 2008 das Projekt VITAplusSpende ins Leben gerufen. Es ermöglicht den Schwangeren, das Nabelschnurblut für ihr eigenes Kind einlagern zu lassen und es bei Bedarf für die Allgemeinheit zu spenden. Da wir mit nahezu allen Kliniken im Bundesgebiet zusammenarbeiten, ist die Spende damit erstmals deutschlandweit möglich.

Das Interview in der Druckversion finden Sie hier.

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