“Kompetente Beratung ist das A und O”
Dr. Marion Bartel arbeitet in der Fachberatung einer privaten Nabelschnurblutbank. Dort geht es zum einen darum, Eltern mit sehr tiefgründigen Fragen zum Thema “Nabelschnurblut” zu beraten, sowie für Ärzte, Hebammen und andere Interessierte der richtige Ansprechpartner zu sein. Neben der Beratung ist sie für die Übermittlung und Erklärung von Befunden zuständig. Das sind medizinische Angaben, die bei der Einlagerung mit dem Nabelschnurblut erhoben wurden. Diese Befunde werden dann in Ruhe mit den Eltern besprochen.
Wie viele Anrufe bekommen Sie täglich und wer ruft bei Ihnen an? Sind es eher Eltern oder Fachärzte, die eine Beratung wünschen?
Gespräche mit Eltern sind mit Abstand am häufigsten. Das sind natürlich vor allem Gespräche, bei denen Eltern detaillierte medizinische oder biologische Fragen haben. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Anrufe, wo wir von uns aus die Eltern kontaktieren. Hier geht es darum, dass wir den Eltern medizinische Infos – also zum Beispiel Laborbefunde – erläutern. Aber manchmal rufen uns auch Ärzte, Hebammen oder Klinikpersonal an. Egal wer am anderen Ende der Leitung ist – wir stehen ihnen gerne beratend zur Seite.
Was sind die häufigsten Fragen, die Ihnen gestellt werden?
Die häufigste Fragen von Eltern ist: “Warum sollte man Nabelschnurblut einlagern?” Wir erläutern dann, was Stammzellen sind und welche Bedeutung sie für die Medizin haben. Wie viele Krankheiten man heute bereits mit Stammzellen behandeln kann und an welchen Krankheiten die Forscher, darunter auch die VITA 34 Experten, dran sind. Aber ein Großteil der Eltern meldet sich auch mit Fragen zum Anamnese-Fragebogen. Mit diesem wichtigen medizinischen Dokument wird die Krankheitsgeschichte erfasst. Das ist ähnlich wie bei der Blutspende. Anhand dieses Fragebogens entscheidet einer unserer Ärzte, ob eine Nabelschnurblut-Entnahme durchgeführt werden kann. Das sind für mich die schwersten Anrufe, wenn ich Eltern anschließend mitteilen muss, dass es aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, das Nabelschnurblut einzulagern. Zum Glück ist das extrem selten.
Müssen Sie dabei auch Aufklärungsarbeit leisten?
Ja, das müssen wir auf alle Fälle. Wir stellen immer wieder fest, dass das Thema “Stammzellen” in der Bevölkerung noch nicht sehr etabliert ist. Daher kann man auch nicht erwarten, dass die Menschen darüber informiert sind, was eine Stammzelle ist. Auch wird die Vielfalt der Stammzellenarten durcheinander gebracht. Und hier müssen wir dann oftmals aufklären, dass die Stammzellen aus Nabelschnurblut nichts mit den ethisch bedenklichen, embryonalen Stammzellen zu tun haben. Wir werden auch gefragt, was man mit Stammzellen bereits alles behandeln könne. Die meisten Eltern reagieren ganz überrascht, wenn ich ihnen sage, dass allein in Europa jedes Jahr rund 30.000 Stammzell-Transplantationen im Rahmen der Krebstherapie stattfinden. Viele Eltern können sich auch gar nicht vorstellen, dass heute tatsächlich schon Patienten mit einem Herzinfarkt, Hirnschäden oder Diabetes von Stammzelltherapien profitieren.
Wichtig sind auch alle Nachfragen zu Qualitätskriterien. Gelegentlich haben Eltern irgendwo aufgeschnappt, dass man Nabelschnurblut nur bei Kindern anwenden oder nur bis zu 20 Jahre gelagert werden können. Hier ist es ganz wichtig, dass wir solchen Vorurteile sachlich und auf Basis der wissenschaftlichen Literatur begegnen. Unser Ziel ist es, den Eltern hilfreich zur Seite zu stehen, so dass diese nach dem Gespräch sagen “So, jetzt hab ich’s verstanden”. Denn nur dann können Eltern sicher sein, dass sie die richtige Entscheidung treffen.
Das Interview in der Druckversion finden Sie hier.