Bei jeder Geburt sollte man Nabelschnurblut aufbewahren und typisieren
Im letzten Teil unseres Interviews mit Professor Dr. Holger Stepan, spricht der Mediziner unter anderem über die Möglichkeiten der Einlagerung von Nabelschurblut. Zudem plädiert er dafür, dass bei jeder Geburt das Nabelschnurblut entnommen und typisiert werden sollte. Abschließend gibt der Leiter der Geburtsmedizin an der Universität Leipzig einen Einblick, wie er privat zu dem Thema Nabelschnurblut steht.
Seit kurzem ist in Ihrer Klinik neben der privaten Einlagerung auch die Spende von Nabelschnurblut für die Allgemeinheit möglich, da Sie mit dem Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) zusammenarbeiten. Wie kam das zustande?
Das NKR hat uns gefragt, ob wir an einer Kooperation interessiert sind, und wir haben sofort zugesagt, weil ihr Vorschlag – vom medizinischen Standpunkt aus gesehen – sinnvoll war. Eine öffentliche Nabelschnurblutbank ist eine gute Idee. Nun können wir als Klinik den Eltern beides anbieten – die private Aufbewahrung und die Spende. Daneben ist auch eine Kombination möglich.
Welches dieser drei Angebote wird sich Ihrer Ansicht nach langfristig durchsetzen?
Das ist schwer zu sagen. Es ist allerdings skandalös, dass eine Einrichtung wie das NKR meines Wissens nach keine öffentlichen Finanzmittel erhält und sich somit durch Spenden finanzieren muss. Deshalb kann auch noch nicht überall Nabelschnurblut für die Allgemeinheit eingelagert werden. Bei jeder Geburt sollte man das Blut aufbewahren und typisieren. Dann gäbe es binnen kurzer Zeit eine sehr umfangreiche Nabelschnurblutbank, so dass jedes Kind bei Bedarf einen geeigneten Spender finden könnte. Um das zu erreichen, sollte die Politik die Einlagerung von Nabelschnurblut finanziell unterstützen, denn sie ist medizinisch sehr sinnvoll.
Würde es weiterhelfen, wenn sich der Staat stärker von Experten beraten ließe?
Nein, denn es gibt bereits genügend Experten in den gesundheitspolitischen Beratungsgremien. Aber wenn es um Maßnahmen geht, die viel Geld kosten, dann ist Politikern die Expertenmeinung leider gleichgültig. Deshalb werden viele Vorschläge der Fachleute nicht befolgt.
Wie stehen Sie persönlich der Einlagerung von Nabelschnurblut gegenüber? Haben Sie es bei Ihrem Kind aufbewahren lassen?
Nein, das habe ich nicht. Das heißt aber nicht, dass ich gegen eine Aufbewahrung wäre. Für mich standen damals andere Dinge im Vordergrund. Wenn ich noch einmal ein Kind bekäme, dann wäre das wieder eine neue Entscheidungssituation.
[...] haben Carlotta Luisas Nabelschnurblut bei der Geburt entnehmen lassen. Aus welchem Grund haben Sie sich damals dafür [...]